Weltbevölkerung wächst langsamer

22. September 2004, 12:50
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Zur Mitte dieses Jahrhunderts soll laut UNO-Prognosen das Wachstum der globalen Bevölkerung gestoppt sein

Die Erde wird für ihre Bewohner enger. Jedes Jahr kommen laut aktuellsten UNO-Berechnungen 76 Millionen Menschen hinzu. Derzeit gibt es rund 6,4 Milliarden Menschen, im Jahr 2050 werden es rund 8,9 Milliarden sein.

Das geht aus dem Weltbericht hervor, den der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) am Mittwoch in Genf vorstellte. Doch die Furcht vor einer unkontrollierten "Bevölkerungsexplosion" ist laut den Fachleuten eher unbegründet. Denn das Wachstum der Menschheit erreichte bereits Mitte der 90er-Jahre den Höhepunkt: Damals verzeichneten die Statistiker ein Plus von rund 82 Millionen Menschen pro Jahr.

Ein Hauptgrund für das Abflachen der Kurve: Familienplanung und Geburtenkontrolle. Zur Mitte des Jahrhunderts sollen nach den Prognosen nur noch so viele Mädchen und Jungen auf die Welt kommen, dass die Sterbefälle ausgeglichen werden.

Den Prognosen zufolge werden reiche Regionen wie Ozeanien und Nordamerika bis zum Jahr 2050 dichter besiedelt sein als heute, in anderen reichen Regionen jedoch schrumpft oder stagniert die Bevölkerung. So sollen 2050 nur noch 632 Millionen Europäer leben, derzeit sind es rund 726 Millionen. Die Bevölkerung Österreichs könnte bis 2050 ebenfalls abnehmen: Von derzeit 8,1 Millionen auf 7,4 Millionen.

Dagegen vermehren sich die Menschen in armen Staaten, wo kaum Familienplanung praktiziert wird, stark. "Die Bevölkerung der 50 Länder, die am wenigsten entwickelt sind, könnte sich bis 2050 mehr als verdoppeln", schreiben die Experten. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass in den Entwicklungsländern mehr als 200 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln hätten.

Das zu ändern würde jährlich umgerechnet 3,2 Milliarden Euro kosten. Als Grund für den Rückstand der Aufklärungsprogramme führt der Weltbevölkerungsbericht große Finanzierungsmängel an. Während Entwicklungsländer den finanziellen Anforderungen nachkämen, sei die Finanzierung durch Geberländer mangelhaft.

Besonders negativ wirke sich die Haltung der USA aus, die wegen inhaltlicher Ablehnung der Kampagne für Verhütung ihre Zahlungen im dritten Jahr in Folge komplett eingestellt habe.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 9. 2004)

Von Jan Dirk Herbermann aus Genf
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