Golf: Europa will's den USA zeigen

17. September 2004, 20:59
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Im 35. Ryder Cup sind Europas Golfspieler Titelverteidiger und Außenseiter - Die USA stellen die scheinbar besseren Einzelspieler

Oakland Hills - Wenn von Freitag bis Sonntag in Oakland Hills/Detroit im US-Bundesstaat Michigan die jeweils zwölf besten Golfer aus den USA und Europa gegeneinander antreten, um den 35. Ryder Cup auszuspielen, ist es wieder Zeit für große Emotionen. Der Ryder Cup, das spektakuläre Kräftemessen, das nur alle zwei Jahre ausgetragen wird, sorgt im elitären Golfsport für eine einzigartige Atmosphäre. Der Pay-TV-Sender Premiere überträgt alle drei Wettkampftage live.

Das Duell USA - Europa ist wie immer auch ein Duell der Kapitäne, diesmal zwischen dem Amerikaner Hal Sutton und dem Deutschen Bernhard Langer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Langer, der schon als Spieler zehn Ryder Cups bestritten hatte, bei der Zusammensetzung seines Teams für die Doppel-Runden am Freitag und Samstag im Sinne der Teamstimmung seine Spieler selbst mitbestimmen ließ, setzt "Pokerface" Sutton auf den Überraschungseffekt. "Ich werde erst so spät wie möglich meine Entscheidungen bekannt geben. Meine Spieler sollen sich lieber um ihr eigenes Spiel kümmern", gab sich der 46-Jährige bedeckt.

Nicht einmal dem regierenden Träger des grünen Jackets des U.S.-Masters-Siegers, Phil Mickelson, verriet Sutton seinen Partner. Mickelson hatte zuvor verlautbart, dass er "es lieben würde, einmal gemeinsam mit Tiger Woods in einem Team auf die Runde zu gehen". Woods, der vor zwei Wochen von Vijay Singh als Nummer eins der Golfwelt abgelöst worden war, war in der Vergangenheit heftig für seine negative Einstellung zum Teambewerb Ryder Cup kritisiert worden. "Er ist in Topform, da mache ich mir keine Sorgen", streute Sutton seinem Star nach dem ersten Training auf dem schwierigen Par-70-Kurs im Oakland Hills GC jedoch Rosen.

Der Kurs in der Nähe der Motor-Stadt Detroit hat viele Tücken, ist vor allem für seine tiefen Bunker, schmalen Fairways und schweren Grüns bekannt, wurde jedoch von beiden Kapitänen gleichermaßen gelobt. Sogar Basketballsuperstar Michael Jordan, selbst passionierter Golfer, stattete dem Nobelklub einen Besuch ab, um seinen Landsleuten für den großen Showdown Mut zuzusprechen.

Der zweifache US-Masters-Champion Langer glaubt dennoch fest an sein europäisches Team, das aufgrund der besseren Weltranglistenplatzierungen und des Heimvorteils des US-Teams in Michigan als leichter Außenseiter gilt. "Der europäische Teamgeist wird uns Vorteile bringen, die USA stehen unter Druck", hofft der 47-Jährige.

Die Europäer hatten das bisher letzte Aufeinandertreffen im Kampf um die Ryder Cup-Trophäe aus purem Gold, die 1927 vom englischen Kaufmann Samuel Ryder gestiftet worden war, vor zwei Jahren in England mit 15,5:12,5 Punkten dank einer taktischen Meisterleistung mit dem höchsten Vorsprung seit 1985 für sich entschieden. Drei der letzten vier ausgetragenen Cups gingen damit auf das Konto der Europäer. Die Bilanz seit 1979, als erstmals statt einer britisch-irischen Auswahl ein gesamteuropäisches Team antrat, ist mit je sechs Siegen auf beiden Seiten ausgeglichen.

Was die spezielle Atmosphäre betrifft, so gilt das Duell 1999 in den USA, das als "Schlacht von Brookline" für unrühmliche Schlagzeilen sorgte, als warnendes Beispiel. Damals hatten Fans die europäischen Spieler beleidigt und mit Zwischenrufen gestört. Auch die US-Spieler hatten die Beherrschung verloren. Langer: "Das ist kein Krieg, wir schießen nicht mit Kugeln." (DER STANDARD, Printausgabe, 16. September 2004, APA, sid, red)

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