16.9.: Neue große "Austrokoffer"-Manifest-Aktion: "Bitte macht alle mit!"

17. September 2004, 19:56
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Robert Schindel, Marie-Therese Kerschbaumer und Julian Schutting appellieren - Absagen von Handke und Menasse

Wien - Marie-Thérèse Kerschbaumer, Robert Schindel und Julian Schutting haben sich bereit erklärt, neben Günther Nenning als Mitherausgeber des umstrittenen "Austrokoffers" zu fungieren. In einem Manifest wird für das Unterfangen einer literarischen "Landvermessung" plädiert.

Es sei "kontraproduktiv, so etwas zu zerstören, in das so viel Geld investiert wurde", begründete Kerschbaumer ihr Engagement. Nenning sprach von einem "Wunder": Es werde "eine Gegenoffensive" gestartet, schließlich seien es nur "zwei bis drei Leute" gewesen, die "alle aufgehusst" hätten.

Inzwischen vermeldet News, dass auch Peter Handke nicht in den Koffer gepackt werden wolle: Der "grausliche Name" klinge, "als wären in diesem Koffer nur falsche Geldscheine" enthalten, so Handke. Er vermisse zudem "wesentliche Namen, Franz Weinzettl zum Beispiel", und äußert Einwände gegen die Person Nennings.

Auch Robert Menasse gibt an, vom Suhrkamp Verlag darüber informiert worden zu sein, dass wegen der Abdruckrechte für ein "dubioses Projekt" angefragt worden wäre. Man habe abgelehnt. Dem habe er als Autor nichts hinzuzufügen gehabt. Schindel hingegen will mit seinem Engagement ein "Signal setzen, dass inhaltlich niemand von außerhalb Einfluss nimmt". (poh)


"Bitte, macht alle mit!"
Autorenmanifest pro Austrokoffer - im Interesse der Literatur und der Republik

Schon hatten Zweifel das Gemüt bedrängt, dass an der Kofferfront sich nichts mehr bewegen würde. Umso reicher werden dafür heute all jene belohnt, die "Die tägliche Austrokofferpost" im STANDARD vom Mittwoch schmerzlich vermissten. Soeben nämlich haben sich "zum Zeichen der Solidarität" Marie-Thérèse Kerschbaumer, Robert Schindel und Julian Schutting bereit erklärt, als Mitherausgeber neben Günther Nenning zu fungieren, und ein Manifest folgenden Wortlauts verfasst:

Das Konzept der "Sammlung österreichischer Literatur nach 1945. der austrokoffer" dient dazu, eine möglichst umfassende Auswahl aus der Literatur nach 1945 zu bieten. Es folgt nicht dem Prinzip eines kompletten Literaturkanons. Es ist eine Landvermessung, die vor allem den jungen AutorInnen und den jungen LeserInnen dienen soll, in einer hohen Auflage und zu einem günstigen Preis sowie mit Verbreitung in Österreich und auch im größeren EU-Raum. Es ist ein Projekt zugunsten der Literatur. Wie die meisten literarischen Projekte wird auch dieses vom Bund und Bundesländern subventioniert. Diese üben keinerlei Einfluss auf die AutorInnen und auf die Auswahl der Texte. Bei einer möglichst umfassenden Darbietung von Texten ist eine gewisse Großzügigkeit erforderlich, da nicht jede/r AutorIn von jede/r AutorIn geliebt wird. Im Interesse eines solchen Gesamtprojektes bitten wir euch, an diesem mitzuwirken, damit es zu einem erfolgreichen Abschluss gelangen kann.

Liebe KollegInnen, was immer unser Schicksal war oder sein wird, es ist verbunden mit diesem Land Österreich, das uns auch braucht, obwohl es das nicht immer weiß. 60 Jahre Befreiung, 50 Jahre Staatsvertrag, wer möchte das entbehren? Wir finden uns gerne mit möglichst vielen DichterInnen in Günther Nennings Projekt "Sammlung österreichischer Literatur. der austrokoffer". Wir reiben uns an keiner/keinem der MitbewohnerInnen des Koffers und hoffen, dass sich keine/r an uns reibt. Bitte macht alle mit!

Das Manifest soll von einer Reihe weiterer AutorInnen unterzeichnet werden. Briefe sind unterwegs an 76 AutorInnen. Die "Sammlung österreichischer Literatur. der austrokoffer" wird im Jänner 2005 fertig gestellt. Eine endgültige Liste der AutorInnen wird nach Abschluss der Verhandlungen zwischen dem Verlag Ueberreuter und den diversen Rechte-Inhabern publiziert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.9.2004)

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