Aznar muss aussagen

17. September 2004, 16:30
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Kommission zur Untersuchung der Anschläge in Madrid beschloß Vorladung einstimmig - Ex-Regierungschef: "Haben die Wahrheit gesagt"

Paris/Madrid/Wien - Der ehemalige spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar von der konservativen Volkspartei (PP) hat unterstrichen, dass seine Regierung nach den Anschlägen vom vergangenen 11. März in Madrid "genau die Wahrheit" gesagt habe. "Und die Wahrheit war das, was die Polizei uns sagte, es war die Information, über welche die Regierung verfügte, die Information, über welche die Sicherheitskräfte verfügten", sagte Aznar laut einer Vorankündigung in einem Interview für den europäischen Nachrichtensender "EuroNews".

"Diese Informationen waren dazu bestimmt, der öffentlichen Meinung mitgeteilt zu werden. Das haben wir von Anfang bis zum Ende gemacht. Von dem Gesichtspunkt aus hat meine Regierung ein ruhiges Gewissen", fuhr der konservative Politiker fort. Zu eventuellen Verbindungen zwischen den Attentaten und der baskischen Untergrundbewegung ETA sagte Aznar: "Alle Terroristen sind verbunden. Jene, die den 11. März in Spanien geplant haben, wussten sehr wohl, was sie wollten, und sie kannten das Terrain perfekt. Sie mussten ihre Komplizen haben. Wer sind diese? Eines Tages werden wir es wissen. Ich hoffe, dass dieser Tag bald kommen wird."

Einstimmiger Beschluss zur Anhörung Aznars

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu den Anschlägen hat am gestrigen Mittwoch einstimmig eine Anhörung Aznars in der Frage beschlossen. Der Aznar-Regierung war unter anderem vorgehalten worden, die Öffentlichkeit angesichts der damals bevorstehenden Parlamentswahlen wissentlich über die Urheber des Attentats getäuscht zu haben. Aznar habe die baskische Untergrundorganisation ETA bezichtigt, als längst festgestanden sei, dass islamistische Terroristen hinter dem Blutbad gesteckt hätten. Bei den Anschlägen in Madrid waren 191 Menschen gestorben. Das Interview von "Euronews" wird am kommenden 24. September um 21.15 Uhr MEZ ausgestrahlt.

Die mittlerweile oppositionelle Volkspartei (PP) - bei den Parlamentswahlen am 14. März hatten die Sozialisten (PSOE) unter dem nunmehrigen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero gewonnen - fordert unterdessen, dass auch Zapatero vor dem Untersuchungsausschuss aussagen soll. Parteichef Mariano Rajoy rief den Ministerpräsidenten dazu auf, "sich nicht länger zu verstecken". "Das Verhalten der PSOE in den Tagen zwischen dem 11. und dem 14. März müssen endlich geklärt werden", sagte Rajoy laut spanischen Medienberichten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In Madrid wurden neue Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht, die während des Anschlags auf die Station Atocha aufgenommen wurden.

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