Auch Private sollen künftig Autobahnen bauen

16. September 2004, 15:26
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Private sollen Risiken übernehmen - Asfinag zahlt Fixvergütung, die sich bei häufigen Ausbesserungsarbeiten verringern soll

Wien - In Österreich sollen künftig auch Private neue Autobahnen bauen. Die Autobahngesellschaft Asfinag hat heute, Mittwoch, zum ersten Mal Bau und Betrieb eines ganzen Autobahnteilstücks ausgeschrieben.

Nordautobahn A5 als Versuch

Konkret geht es um die neue Nordautobahn A5, um deren Anbindungen an die Donauufer-Autobahn und an die Südosttangente sowie um die neue Lobau- und Donauquerung in Wien - Gesamtbauvolumen nach ursprünglichen Plänen der Asfinag rund 3,1 Mrd. Euro. Asfinag-Chef Walter Hecke hofft aber nun, dass sich durch die Vergabe an Private die Kosten um bis zu 20 Prozent reduzieren. Auch die Betriebskosten, derzeit 130 Mio. Euro pro Jahr, sollen sinken.

Asfinag übernimmt Autobahn nach 30 Jahren

Nach dem neuen Modell, bekannt unter dem Überbegriff "Public Private Partnership" (kurz PPP), sollen die Privaten nämlich neben dem Bau vorher auch die Detailplanung, die Finanzplanung und danach - über 30 Jahre - auch den Betrieb des Autobahnteilstücks übernehmen. Nach den 30 Jahren gehört das Autobahnstück der Asfinag.

Autofahrer sollen profitieren

Von der komplizierte Konstruktion soll auch der Autofahrer profitieren. Einsparungen der Asfinag würden langfristig auch zu niedrigeren Vignettenpreisen führen, so Hecke bei einem Hintergrundgespräch vor Journalisten. Für nächstes Jahr will die Asfinag aber vorerst erneut eine Erhöhung der Vignetten-Tarife beantragen.

Häufige Ausbesserungsarbeiten bringen weniger Einnahmen

Die Einnahmen aus der Pkw-Vignette und der Lkw-Maut werden auch in Zukunft zur Gänze direkt an die Asfinag gehen. Die privaten Betreiber erhalten von der Asfinag eine Art Schattenmaut, die sich aus den tatsächlichen Maut- und Vignetteneinnahmen bemisst, und eine - deutlich höhere - Fixvergütung, die sich allerdings vermindert, wenn wegen einer Baustelle ein Autobahnteil nicht voll genützt werden kann. Die Privaten sollen so zum einen motiviert werden, schnell zu bauen, damit sie rascher zu ihrer Betreibervergütung kommen - veranschlagt sind drei Jahre Bauzeit. Zum anderen soll die Qualität gesichert werden, weil der Betreiber schließlich weniger bekommt, wenn es permanent Ausbesserungsarbeiten gibt.

Private sollen Risiken übernehmen

Obwohl die Privaten damit zahlreiche Risiken übernehmen und sich die Asfinag dabei doch einiges an Bau- und Betriebskosten ersparen will, soll sich dieses Modell trotzdem auch für die Investoren rechnen. Baufirmen erwirtschaften derzeit laut Hans-Jörg Tengg, dem Asfinag-Sonderbeauftragten für die Sonderfinanzierung, rund 10 bis 15 Prozent Rendite. Bei dem PPP-Projekt soll es etwas weniger sein - schließlich hätten österreichische Bieter die Möglichkeit, sich an einem "europaweiten Vorzeigeprojekt" im PPP-Bereich zu profilieren, und internationale Bieter würden die Chance erhalten, einen Fuß auf den österreichischen Markt zu setzen, der als Tor Richtung Osteuropa gilt, meint zumindest Arnold Schiefer, Infrastruktursektionschef im Verkehrsministerium. "Das Rennen ist eröffnet. Wir werden sehen, inwieweit die Privaten bereit sind, Risiken zu übernehmen, und ob sie es schaffen, billiger zu bauen", so Schiefer.

Verhandlungen mit Tschechien

Spannend wird noch, ob die neue Nordautobahn auch auf der tschechischen Seite ans Autobahnnetz angeschlossen werden wird. Die Asfinag versucht jetzt, das tschechische Teilstück - etwa 22 Kilometer lang - in ihr PPP-Projekt mit aufzunehmen. Die Verhandlungen mit Tschechien sind im Laufen. Baut Tschechien die Verbindung nicht, würde ein Gutteil des europäischen Nord-Süd-Transit wohl über die 70 Kilometer östlich gelegene parallel laufende Autobahn D2 über die Slowakei und Ungarn Richtung Süden fahren. Die Nordautobahn wäre dann auch für die potenziellen privaten Betreiber uninteressant. (APA)

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