Szenario 2050: Ein Drittel mehr Menschen, fast alle in den Entwicklungsländern

15. September 2004, 18:55
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Weltbevölkerungsbericht bilanziert über notwendige Maßnahmen

Wien- 6,4 Milliarden Menschen bewohnen derzeit die Erde. Schätzungen zufolge werden es bis zum Jahr 2050 um ein Drittel mehr sein. Allerdings wird sich diese Zunahme fast gänzlich in den Entwicklungsländern abspielen. Am Mittwoch - zehn Jahre nach der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo, bei der sich 179 Staaten auf ein Aktionsprogramm im Bereich Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung einigten - zog der UNO-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in seinem diesjährigen Weltbevölkerungsbericht Bilanz über bereits Erreichtes und noch Ausstehendes.

Was erreicht wurde

Verbesserungen wurden vor allem bei der Reduzierung der Müttersterblichkeit und der Prävention von Aids erzielt, konstatierte Erik Palstra vom UNFPA am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung in Wien. Verwendeten im Jahr 1994 lediglich 55 Prozent aller Paare weltweit moderne Verhütungsmittel, sind es heute bereits 61 Prozent. Auch die durchschnittliche Kinderzahl von sechs im Jahr 1969 hat sich heute auf drei reduziert.

Gefährdet würde das bisher Erreichte allerdings durch den Ausfall von zugesagten Förderungsmitteln durch die Industrieländer. Die Geberländer hatten vor zehn Jahren zugesagt bis zum Jahr 2005 jährlich 6,1 Milliarden US-Dollar für Bevölkerungspolitische Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2002 beliefen sich ihre Beitrage lediglich auf 3,1 Milliarden Dollar.

Die Stellung der Frau

Auch die anhaltende Diskriminierung der Frau sei bedenklich, so Palstra. Zu kritisieren sei weiters die Tatsache, dass rund 350 Millionen Paare keinen Zugang zum vollen Angebot von Familienplanungseinrichtungen hätten. 137 Millionen Frauen haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln.

Hierzu meinte Gabriele Heinisch-Hosek, SPÖ-Nationalratsabgeordnete, im Rahmen der Pressekonferenz, dass Österreich durch die Gleichstellungspolitik eine Vorbildfunktion leisten müsse. Sie forderte in diesem Zusammenhang eine erneute Diskussion um "Verhütungsmittel auf Krankenschein" und eine rezeptfreie Abgabe der "Pille danach".

Ungleiche Verteilung

Immer noch leben etwa 2,8 Milliarden Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag. Diese Armut gehe Hand in Hand mit hoher Fruchtbarkeit, einer hohen Krankheits- und Sterblichkeitsrate, einer ungleichen Verteilung der natürlichen Ressourcen sowie deren unwirtschaftliche Verwendung, erläuterte Palstra.

Die Grünen-Nationalratsabgeordnete Terezija Stoisits kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Missverhältnis von "Reichtum in unserem Land und der Unterstützung, die wir den armen Ländern zuteil werden lassen". Die Lücke zwischen armen und reichen Ländern würde sich keineswegs schließen. (APA)

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