Küng dementiert baldige Rom-Visite und Krenn Rücktritt

15. September 2004, 20:35
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Kurt Krenn feiert heute den 13. Jahrestag seiner Tätigkeit in St. Pölten - Gratulanten gibt es jedoch wenige

Wien - Klaus Küng, Bischof von Feldkirch und apostolischer Visitator in der Diözese St. Pölten, plant nach Angaben seines Sekretärs Bernhard Augustin keine Reise nach Rom, um dort über die Ergebnisse seiner Visitation zu berichten. "Wir wüssten nichts davon", sagte Augustin auf Anfrage zu Medienberichten, in denen von einer derartigen Reise die Rede ist.

Unterdessen geht das Warten auf die offizielle Bekanntgabe des Rücktritts von Kurt Krenn weiter. Heute feiert Krenn übrigens den 13. Jahrestag seiner Tätigkeit in St. Pölten.

Von Rücktritt ist nichts bekannt

"Es liegt bei Rom", so Augustin zur Frage nach der weiteren Vorgangsweise in der Causa Krenn. Und zur Frage, ob Küng vom Vatikan über einen bevorstehenden Rücktritt Krenns informiert worden sei: "Mir ist nichts bekannt."

Rücktritt würde wenig ändern

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner weist unterdessen in der "Wiener Zeitung" darauf hin, dass der Rücktritt Krenns allein der katholischen Kirche in Österreich nur wenig bringe: "Letztlich verändert sich wahrscheinlich sehr wenig." Die Personalprobleme müssten zwar in den nächsten Jahren abgearbeitet werden, aber die "eigentlichen Probleme" seien völlig anderer Art: "Das ist diese tief greifende Transformationskrise, durch die die Kirche durch muss. Sie erlebt letztlich jetzt das wirkliche Ende der Konstantinischen Wende in Europa, wo das Christentum in Europa kultur- und staatsgestützt war." Heute hätten sich alle öffentlichen Einrichtungen aus dem religiösen Bereich zurückgezogen: "Jetzt muss die Kirche den Einzelnen gewinnen, und das ist in der Geschichte der Kirche in Österreich eine völlig neue Lage."

"Wenn man die Kirchenaustrittszahlen in den Wochen nach dem Super-GAU in St. Pölten gelesen hat, dann zeigt sich eben, wie wenig verankert viele Kirchenmitglieder in diesem Zentrum der Kirche sind und wie leicht es ihnen fällt, uns die Mitgliedschaft aufzukündigen", erklärte Zulehner.

In St. Pölten hat man nach Ansicht Zulehners in der Priesterausbildung einen Grundsatz missachtet: "Wir nehmen ins Amt nur jemanden, der menschlich so reif ist, dass er auch seine Sexualität integriert hat." Und weiter: "Ich glaube, dass Rom auch deswegen so sensibel auf die St. Pöltner Verhältnisse schaut, weil sich hier ein Schaden angedeutet hat, der wirklich nicht mehr gutzumachen wäre: Wenn nämlich die Kirche das Vertrauen der Leute verlöre, dass man ihr Kinder und Jugendliche anvertrauen kann."

Neuer Bischof als beste Lösung

Zur Situation nach dem Rücktritt Krenns meinte Zulehner, ein neuer Bischof von außen wäre "wahrscheinlich" die beste Lösung. Der Theologe empfiehlt Rom jedenfalls ein sorgfältiges "Hineinhören in das gesamte Kirchenvolk", aber auch Rücksicht auf den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, der bemüht sei, die polarisierte Bischofskonferenz handlungsfähig zu machen. Von der Möglichkeit, dass Rom einen Administrator von außen bestellt, hält er wenig. Dies wäre - nach der Visitation durch Küng - "eine Demütigung für die Leute in der Diözese, wenn man den Vormund noch länger lässt, als es nötig ist". Das würde signalisieren, dass es sich abgesehen vom Problem Krenn um eine "unmündige Diözese" handle.(APA)

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