Dänemark: Eigene Schulklassen für Roma ungesetzlich

16. September 2004, 14:15
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Entscheidung der staatlichen Aufsichtsbehörde ging jahrelanger Streit voraus

Kopenhagen - Die separat eingerichteten Schulklassen für Roma-Kinder in der dänischen Stadt Helsingör verstoßen gegen das Volksschulgesetz. Das stellte die staatliche Gemeindeaufsichtsbehörde zu Wochenbeginn in Kopenhagen fest. Mit der Entscheidung wird ein jahrelanger Streit um die Volksschulklassen beendet, die bereits seit den 80er Jahren für die Kinder von rund 200 Roma-Familien in der Gemeinde Helsingör bestanden haben.

Angeblich "schwache Leistung" der Roma-Kinder

Die Gemeinde Helsingör, die bis zum Sommer drei separate Schulklassen für Roma-Kinder führte, verteidigte die Maßnahme zuletzt damit, dass die Kinder aus Roma-Familien besonders oft Schule schwänzten. Die seinerzeitige Begründung für die Einführung eigener Schulklassen hatte laut der Tageszeitung "Politiken" geheißen, die Roma-Kinder erbrächten oft schwache Leistungen. Bürgermeister Per Taersböl kündigte in einem Radiointerview an, die Gemeinde werde versuchen, eine Genehmigung für die letzte noch existierende Roma-Klasse zu erreichen, die Schule in dieser Form abzuschließen.

Erwartetes Urteil

Das nunmehrige Aus für die getrennte Klassenführung in Helsingör hatte sich bereits im Mai dieses Jahres abgezeichnet, als das dänische Unterrichtsministerium eine entsprechende Stellungnahme veröffentlicht hatte. Darin hieß es, ebenso wie in dem jetzigen Beschluss der Aufsichtsbehörde, dass die Führung getrennter Klassen "für Schüler mit sehr hoher Abwesenheit" nicht mit dem Gesetz in Einklang sei. Im Dezember 2002 hatten Gemeindeinspektoren und die Roma-Vereinigung gegen die Helsingörer Regelung eine Klage eingereicht. (APA)

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