2.000 KandidatInnen für 161 Bürgermeisterposten

21. September 2004, 15:29
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Belgrads Bürgermeister gilt traditionell als "dritter Mann im Lande"

Belgrad - Bei den serbischen Kommunalwahlen werden am kommenden Sonntag die Bürgermeisterposten in 161 Gemeinden neu besetzt. Im Wahlkampf bewarben sich dafür rund 2.000 Kandidaten. Die Zahl der Parteien, Bündnisse und Bürgergruppen, die um die Gemeinderatssitze ringen, dürfte in die Hunderte gehen. Im offiziellen Parteienregister scheinen sogar 300 politische Parteien auf.

Belgrads Bürgermeister gilt als "dritte Mann im Lande"

Belgrad steht mit rund 1,4 von 6,5 Millionen wahlberechtigten Bürgern im Vordergrund. Der künftige Bürgermeister - im Rennen sind neun Kandidaten - ist traditionell nach Präsident Boris Tadic und Regierungschef Vojislav Kostunica der "dritte Mann im Lande". Um die 110 Sitze im Stadtparlament bemühen sich 39 Parteien und Bündnisse.

Auch bei den Bürgermeisterkandidaten in der Hauptstadt wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem ultranationalistischen Spitzenfunktionär, dem einstigen serbischen Informationsminister (1998-2000) Aleksandar Vucic (34), und dem bisherigen Präsidenten der Stadtregierung, dem Spitzenfunktionär der Demokratischen Partei Nenad Bogdanovic (50), erwartet.

Mit beträchtlicher Stimmenzahl dürfen auch der DSS-Kandidat, Zoran Drakulic, sowie die Kandidatin der "Kraft Serbiens", Jasmina Mitrovic-Maric, rechnen. Beide sind Neulinge in der Politik. Unternehmer Drakulic war jahrelang einer der Finanziers der Partei von Kostunica, die Slawistin Mitrovic-Maric war als Journalistin im TV-Sender BK von Karic tätig. Neuerdings leitet sie eine vom Unternehmer gegründete Hilfsorganisation.

Eine ultranationalistische Bürgermeisterin - Maja Gojkovic (40) - dürfte zum ersten Mal auch die Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad bekommen. Die Anwältin Seseljs vor dem Haager Tribunal hat ihren größten Herausforderer unter neun Bürgermeisterkandidaten in Goran Novakovic von der Demokratischen Partei (DS), der allerdings auch vom Bund der Vojvodina-Ungarn, der größten politischen Partei der ungarischen Volksgemeinschaft in der Provinz, unterstützt wird.

Die oppositionellen Politiker, allen voran Vucic und Karic, waren auch dieses Mal bemüht, für ihre Parteien die Unterstützung jener breiter Bevölkerungsschichten zu sichern, die durch die Transitionsprozesse der vergangenen vier Jahre besonders benachteiligt wurden. Im Wahlkampf hatten sie immer wieder die Produktionsaufnahme in den stillstehenden Staatsbetrieben versprochen, auch wenn dies gar nicht in den Händen der Kommunalverwalter liegt.

Soll es nach den Kandidaten gehen, so wird Belgrad zur landesweit wichtigsten Baustelle werden. Versprochen wurden neue Brücken, Hotels, aber auch ein neuer Bahnhof. In einem Land, in dem nur etwa fünf Prozent der Bürger einen Internet-Anschluss zur Verfügung haben, stellten die Bürgermeisterkandidaten auch die Ausstellung von Personaldokumenten per Mausklick in Aussicht. Mit den tatsächlichen Alltagsproblemen wie Müllabfuhr und dem öffentlichen Verkehr befassten sie sich freilich wesentlich weniger.

Das Belgrader Zentrum für freie Wahlen und Demokratie (CESID) wird den Verlauf des Urnengangs verfolgen, allerdings nach Wahlschluss keine Hochrechnungen mitteilen. Die kommunalen Wahlkommissionen sind per Gesetz verpflichtet, die Wahlergebnisse spätestens 24 Stunden nach Schluss der Wahllokale mitzuteilen. (APA)

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