Sieg der Ultranationalisten erwartet

16. September 2004, 20:07
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Serbische Radikale Partei dürfte auch in Provinz Vojvodina siegen - Kostunica-Partei abgeschlagen

Belgrad - Die serbischen Meinungsforscher sind sich einig: Die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) kann sich sowohl bei den landesweiten Kommunalwahlen als auch bei der Wahl des Regionalparlaments in der Provinz Vojvodina am Sonntag Ergebnisse erwarten, die sie erneut als führende politische Kraft im Land bestätigen.

Srdjan Bogosavljevic, Leiter des Meinungsforschungsinstituts Strategic Marketing, spricht sogar vom bevorstehenden "großen Einmarsch" der Ultranationalisten in die Gemeinderäte. Dort sind sie seit den Wahlen vor vier Jahren nur schwach vertreten. Erst bei den nationalen Parlamentswahlen im Dezember des Vorjahres gelang der SRS der Sprung an die Spitze.

Demokratischer Partei Tadic' wird zweiter Platz vorhergesagt

Die Ultranationalisten können laut Strategic Marketing bei den Kommunalwahlen mit 28 Prozent der Stimmen rechnen. An zweiter Stelle wird demnach die Demokratische Partei des serbischen Präsidenten Boris Tadic mit 24 Prozent landen. Um den dritten Platz ringen die regierende Demokratische Partei Serbiens von Vojislav Kostunica und "Kraft Serbiens", die erst kürzlich gegründete Partei eines der reichsten serbischen Unternehmer, Bogoljub Karic.

Für Vojvodina wird Ultranationalisten noch mehr Prozent vorhergesagt

In der nordserbischen Vojvodina dürften die Ultranationalisten sogar noch besser abschneiden. Sie könnten auf 37 Prozent der Stimmen kommen, gefolgt von der Demokratischen Partei mit 28 Prozent. Gute Wahlergebnisse werden auch für die Liga der Vojvodina-Ungarn prognostiziert, die vor allem im Norden der Provinz stark ist.

In der Vojvodina ist es seit Jahresbeginn immer wieder zu ethnisch motivierten Zwischenfällen gegen dort lebende Minderheiten, vor allem Ungarn, gekommen. Das in Zrenjanin ansässige Zentrum zur Förderung der Zivilgesellschaft kommt in einer Untersuchung dazu zu "ungünstigen, wenngleich nicht dramatischen" Resultaten, wie der Leiter des Zentrums, Vladimir Illic gegenüber dem Sender B-92 am Donnerstag erklärte. Einwohner aller Volksgruppen in den betroffenen Gemeinden hätten bei Befragungen für die Studie ein Gefühl der Bedrohung bekundet.

Ilic verwies darauf, dass Angehörige von Minderheiten im Rahmen der Untersuchung die Bedeutung der Bürgerrechte noch vor den Minderheitenrechten betont hätten. Dies deute darauf hin, dass sie befürchteten, ihnen könnte "etwas Schlimmeres" zustoßen als der Verlust der Minderheitenrechte, so der Zentrumsleiter. "Sie haben Angst vor Gefährdung des Eigentums und Person." (APA)

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