Israels Armee tötet zehn Palästinenser

16. September 2004, 20:54
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Umfrage: Mehrheit der Israelis für Gaza-Abzugsplan

Nablus/Jenin - Bei Einsätzen im Westjordanland hat die israelische Armee am Mittwoch neun militante Palästinenser und ein elfjähriges Mädchen getötet. In Nablus umstellten Elitesoldaten ein Haus, in dem sich gesuchte Extremisten versteckten. Bei dem anschließenden Schusswechsel starben nach Angaben von Sicherheitskräften vier Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden sowie ein Mitglied der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas und das Mädchen. In Jenin erschoss eine Sondereinheit der Armee vier weitere Kämpfer der Al-Aksa-Brigaden.

Die Armee rückte nach palästinensischen Angaben am frühen Morgen mit etwa 20 Geländewagen und Panzern in die Altstadt von Nablus ein. Militärangaben zufolge waren die fünf in dem Gebäude verschanzten Palästinenser für einen Anschlag verantwortlich, bei dem im Dezember 2003 bei Tel Aviv vier Israelis getötet wurden. Bevor die Soldaten wieder abrückten, riss eine Planierraupe das Gebäude teilweise nieder. Augenzeugen berichteten, die elfjährige Maram el Nahleh habe sich vor ihrer Haustür in der Nähe des Gebäudes aufgehalten, als sie tödlich getroffen wurde.

Al-Aksa-Hochburg

Stunden später erschoss ein Armeekommando nach palästinensischen Angaben in einer Garage in einem Industriegebiet von Jenin vier weitere Mitglieder der El-Aksa-Brigaden. Zwei Palästinenser wurden verletzt. Militärangaben zufolge gab es außerdem drei Festnahmen. Jenin gilt als Hochburg der Al-Aksa-Brigaden.

Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die tödlichen Armeeeinsätze in Nablus und Jenin. "Diese neuerlichen Verbrechen und diese israelische Politik der Eskalation wird schlimme und zerstörerische Folgen haben", sagte Arafat-Berater Nabil Abu Rudeina der Nachrichtenagentur AFP.

Aus Furcht vor möglichen Anschlägen zwischen dem jüdischen Neujahrsfest Rosh-ha-Shanah, das am Mittwoch begangen wurde, und dem Versöhnungstag Jom Kippur am 24. September verstärkten die israelischen Behörden ihre Sicherheitsmaßnahmen. Bundespräsident Horst Köhler sandte dem israelischen Staatschef Mosche Katzav zum Neujahrsfest herzliche Glückwünsche. In seinem Schreiben äußerte er die Hoffnung, "dass der mutige Schritt des geplanten Rückzugs aus Gaza ein erster, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zum friedlichen Zusammenleben sein wird".

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Umfrage sprachen sich 69 Prozent der Israelis für eine Volksabstimmung über den Rückzugsplan von Ministerpräsident Ariel Sharon aus. Falls es zu dem Referendum käme, würden demnach 58 Prozent für den Plan stimmen und 29 Prozent dagegen. Sharon lehnt einen Volksentscheid im Gegensatz zu vielen Mitgliedern seiner rechtsgerichteten Likud-Partei kategorisch ab. Sein Rückzugsplan sieht vor, die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und vier kleine abgelegene Siedlungen im Westjordanland aufzugeben. Gleichzeitig sollen die großen Siedlungen im Westjordanland verstärkt und der Bau der Sperranlage vorangetrieben werden, die in ihrem jetzigen Verlauf die "Grüne Linie" zum Westjordanland verletzt. (APA)

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