Abgeschwächter Wirbelsturm bewegt sich auf USA zu

15. September 2004, 08:31
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Kuba und Mexiko zunächst glimpflich davongekommen

Havanna/Mexiko-Stadt - Der Hurrikan "Ivan" hat sich auf seinem zerstörerischen Weg durch die Karibik etwas abgeschwächt, bedroht aber weiter die Südostküste der USA. Nachdem der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 315 Stundenkilometern in der Nacht auf Dienstag über den äußersten Westen Kubas hinweggefegt war, schwächte er sich zwischenzeitlich auf 140 Stundenkilometer ab, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) in Miami im US-Bundesstaat Florida mitteilte.

"Ivan" sei aber nach wie vor "höchst gefährlich". In Kuba kamen offiziellen Angaben zufolge keine Menschen zu Schaden. Mit "Javier" bewegte sich bereits der nächste Hurrikan auf Mexiko zu.

Überschwemmungen

Trotz des relativ glimpflichen Verlaufs war "Ivan" der schlimmste Hurrikan, der in den vergangenen 50 Jahren auf Kuba gewütet hatte. Sein Auge erreichte am späten Montagabend Kap San Antonio im äußersten Westen Kubas und zog drei Stunden lang über die Region 350 Kilometer westlich der Hauptstadt Havanna hinweg. Häuser wurden abgedeckt und überflutet; die Überschwemmungen lösten Erdrutsche aus.

Montag früh hatte sich der Wirbelsturm mit schweren Regenfällen im Westen der Insel angekündigt. Die Behörden brachten vorsorglich 1,7 Millionen Menschen, darunter rund 7.000 Touristen, in Sicherheit; einige von ihnen in Luftschutzbunker. Es war die größte Evakuierung in der Geschichte Kubas. Derweil forderten die US-Behörden die Menschen im Nordwesten Floridas sowie in den Küstenregionen der Bundesstaaten Alabama und New Orleans auf, sich in Sicherheit zu bringen. In einigen Regionen wurden Evakuierungen angeordnet.

Hurrikanwarnung

Wie das NHC mitteilte, zog "Ivan" am Dienstag mit 260 Stundenkilometern in seinem Innern zunächst in Richtung Golf von Mexiko. Für die nördliche Golfküste wurde eine Hurrikanwarnung ausgegeben. Die mexikanischen Halbinsel Yucatan, wo auch der Touristenort Cancun liegt, kam ohne größere Schäden davon. Der Flughafen von Cancun öffnete am Dienstag wieder für nationale und internationale Flüge. Der mexikanische Zivilschutz hatte zuvor mit erheblichen Schäden gerechnet.

Die mexikanische Pazifikküste um den Badeort Acapulco bereitete sich indes auf die Ankunft des Hurrikans "Javier" vor, der sich mit Windstärken von bis zu 225 Stundenkilometern näherte. Mit 15 Stundenkilometern bewegte er sich in Richtung der mexikanischen Halbinsel Baja California. Zudem bildete sich ein dritter Sturm namens "Jeanne" laut NHC-Informationen südöstlich der Jungferninseln.

Mindestens 71 Tote

In den Staaten der Karibikregion starben durch "Ivan" mindestens 71 Menschen. Die Insel Grenada mit ihren rund 100.000 Einwohnern wurde bisher am schwersten getroffen. Dort kamen laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation mindestens 37 Menschen ums Leben. In Jamaika gab die Polizei die Zahl der Todesopfer mit 21 an. Aus Venezuela wurden fünf Tote, aus der Dominikanischen Republik vier, aus Haiti drei und aus Tobago ein Toter gemeldet.

Die Europäische Kommission erklärte in Brüssel, sie werde 1,5 Millionen Euro für die Opfer des Hurrikans in Grenada bereitstellen. Kanada kündigte an, den betroffenen Karibikstaaten umgerechnet 315.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) bot Hilfe an. Der IWF werde "alle in seiner Möglichkeit stehenden Mittel" bereitstellen, hieß es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung von Generaldirektor Rodrigo Rato. (APA/AFP)

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    Ivan (links zu sehen) bewegst sich im Golf von Mexico, der Tropensturm Jeanne (rechts), im nordöstlichen Bereich der Karibik.

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