Wien fehlen 4.000 Polizisten

22. September 2004, 09:29
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Die Aufklärungsquoten sind in deutschen Großstädten teils mehr als doppelt so hoch wie in Wien - Allerdings hat die dortige Polizei bedeutend mehr Personal

Wien - "Wer bietet mehr" lautet weiter das Motto in der Diskussion rund um die Zahl der Polizisten in Wien. Polizeiintern geht man von einem Minimalbedarf von rund 800 zusätzlichen Beamten aus. Bürgermeister Michael Häupl (SP) fordert vom Innenminister 1000 Polizisten mehr, der Wiener FPÖ-Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache wünscht gleich 1600 Extrabeamte.

Tatsächlich wird es im kommenden Jahr für ganz Österreich nur maximal 500 Exekutivbeamte mehr geben. Davon sollen etwa 180 in der Bundeshauptstadt ihren Dienst antreten. Derzeit arbeiten 7950 Menschen bei der Bundespolizeidirektion.

Diese knapp 8000 Personen hatten sich im Vorjahr mit exakt 257.090 gemeldeten Straftaten herumzuschlagen, die Aufklärungsquote lag bei bescheidenen 26,78 Prozent. Rechnerisch kommen auf einen Mitarbeiter der Polizei 32 Fälle, die Kriminalitätsbelastung liegt in Wien bei 166 Delikten pro 1000 Einwohner.

Paradies München

Paradiesische Zustände herrschen im Vergleich dazu in München. Dort kamen im Jahr 2003 nur 80 Delikte auf 1000 Einwohner. Die Aufklärungsquote: fast 58 Prozent. Was auch damit zu erklären ist, dass auf jeden der 7900 Beschäftigten im Polizeipräsidium (7000 Polizisten und 900 Verwaltungsbeamte) rechnerisch nur 16 Fälle kamen.

Von der Kriminalitätsrate her mit Wien vergleichbar ist Berlin. Dort kamen im vergangenen Jahr 160 Straftaten auf 1000 Einwohner. Allerdings ist auch in der deutschen Hauptstadt die Aufklärungsquote fast doppelt so hoch wie in Wien: bei 49,7 Prozent. Der Berliner Polizeipräsident kann im Vergleich zu seinem Wiener Pendant aber aus dem Vollen schöpfen, ist er doch Herr über insgesamt knapp 26.000 Mitarbeiter, die umgerechnet nur 21 Fälle pro Person aufklären müssen.

Verwaltungsangestellte

Um also auf eine Arbeitsbelastung wie in Berlin zu kommen, hätte die Wiener Polizei im Vorjahr über 4000 Mitarbeiter mehr benötigt, zum Erreichen der Münchner Zahlen hätte sich der Personalstand sogar verdoppeln müssen. Es kommt aber nicht allein auf die Zahl der Polizisten an: In Polizeikreisen wünscht man sich auch mehr Verwaltungsangestellte, die Schreibarbeiten oder das Kassieren von Strafen übernehmen, um die Exekutive zu entlasten.

Entlastung verspricht sich das Innenministerium auch vom neuen Sicherheitspolizeigesetz (SPG), in dem unter anderem die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie enthalten ist. Im Ministerrat wurde die Novelle am Dienstag aber neuerlich von der FPÖ abgelehnt. Die Freiheitlichen fordern weiter ein Exekutivdienstrecht mit Verbesserungen für die Beamten. Parteichefin Ursula Haubner rechnet nun mit einem Ministerratsbeschluss zum SPG "in den nächsten Wochen." (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2004)

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    Rund 2.000 Polizisten und Gendarmen demonstrierten am 20.Juni 2002 gegen die Sparpolitik von Innenminister Ernst Strasser in der Exekutive.

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