Der "gute Schuldner" als oberstes Prinzip

30. September 2004, 13:33
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Ohne ratingorientierte Bilanzen bekommen Unternehmen Probleme damit, Kredite zu erhalten, sagt Investkreditchef Wilfried Stadler zu seinem aktuellen Buch "Die neue Unternehmensfinanzierung"

In Europa und den USA standen einander zwei Welten gegenüber: Die der Bankorientierung und die der Kapitalmarktorientierung - vor der Einführung des Euro und vor der Ausrichtung von Banken und Unternehmen auf die neuen Eigenmittelvorschriften laut Basel II.

"Kunden treten bei Kreditverhandlungen mit den Banken jetzt eigentlich an den Kapitalmarkt heran, weil die Banken ihr Kreditportfolio nach Laufzeiten und Bonitäten so gestalten wollen, dass sie selbst kapitalmarktfähig sind." Solcherart werde die Bank zum virtuellen Kreditfonds, umreißt Wilfried Stadler, Vorstandschef der Investkredit die "neuen Spielregeln".

Statt die Bilanz steuerorientiert zu gestalten gelte es jetzt für alle Unternehmen, sie ratingorientiert zu erstellen - damit könnten Unternehmen ihre Banken auch besser "fordern", so Stadler. Denn auch wenn externe Bonitätseinstufungen (Ratings) in Österreich nicht weit verbreitet sind - bankintern sind die Unternehmen geratet. Dabei geht es nicht nur um teurere Kredite: "Wer diese Bilanzgestaltung nicht schafft, bekommt Probleme mit der Erhältlichkeit. Da haben wir auch bereits einen Engpass." Diese objektivierte Kreditvergabe führe auch zu Problemen im traditionellen heimischen "Relationship-Banking".

Zwar werde, so Stadler, die bankenorientierte Finanzierungskultur durch "ein neues Set von Regeln aus der angloamerikanischen, am Kapitalmarkt orientierten Finanzierungskultur überlagert". Die viel gepriesenen Eigenmittelinstrumente (Mezzaninkapital, Private Equity) seien jedoch nicht anstatt eines Kredites erhältlich. Das Credo der Firmen müsse daher "ein guter Schuldner sein" lauten. Stadler: "Auch wenn das nur geht, indem man sich mit einem anderen Unternehmen zusammentut."

Stadler zur oft kritisierten "Bankenabhängigkeit" heimischer Firmen: "Eine gut ausgebildete Bankbeziehung kann nicht durch eine Kapitalmarktbeziehung ersetzt werden - das muss sich ergänzen". (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2004)

Buchtipp

Wilfried Stadler (Hrsg.):"Die neue Unternehmensfinanzierung", strategisch Finanzieren mit Bank- und Kapitalmarktinstrumenten, Redline Wirtschaft 2004, 366 Seiten, Euro 36.
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