"Batman" ließ Scotland Yard dumm aussehen

17. September 2004, 15:54
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Fünf Stunden sonnte sich Jason Hatch auf dem Sims des Buckinghampalasts, dann stieg er herab und löste Streit um Schlendrian bei Scotland Yard aus

Da stand er nun auf dem Sims, breit grinsend unter der Fledermausmaske, und warf den Neugierigen vor dem Buckinghampalast Kusshändchen zu. Der 33-jährige Jason Hatch trug das Kostüm der Comicfigur Batman, machte pausenlos Faxen, und aus der Ferne konnten Passanten gar nicht ahnen, dass es eigentlich bitterer Ernst war. Es ging um mehr Rechte für geschiedene Väter.

Und Hatch blamierte die Sicherheitskräfte. Er winkte noch fröhlich, als ihn Scotland Yard endlich überreden konnte, seinen luftigen Platz zu räumen. Die düpierten Beamten hatte er regelrecht zum Gespött gemacht, und das in Zeiten des Terroralarms. "Skandalöse Inkompetenz", wetterte der konservative "Schatteninnenminister" David Davis. Hinter der Maske hätte ja auch ein Attentäter stecken können, Al-Kaida in Tarnkleidung, was dann?

Dabei hatte der Yard bereits vor Monaten Wachsamkeit gelobt. Die Leichtigkeit, mit der ein als Osama Bin Laden verkleideter Komiker im Juni 2003 bis zur Geburtstagsparty des Prinzen William vordringen konnte, hatte schärfere Kontrollen um die Royals zur Folge. Eigens für den Buckinghampalast ernannte man einen Sicherheitsdirektor, den ehemaligen Fallschirmjäger Jeffrey Cook. Der hat jetzt den Schaden und braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Minister wiegelt ab

David Blunkett dagegen, zuständig fürs Innenressort, wiegelt ab. Im Palast habe doch alles funktioniert, die Überwachungskameras, die Alarmanlage, auch die Polizisten seien zur Stelle gewesen. Sie hätten dann richtig entschieden, Hatch nicht wie einen Terroristen zu behandeln, sondern als harmlosen Demonstranten, sagte Blunkett.

Neben dem Balkon, von dem die Queen (derzeit noch in Schottland) bei Feiern herabwinkt, verlangte Hatch, die Prinzen Charles und Andrew zu sprechen, beide geschiedene Väter. Das blieb ihm verwehrt, doch "Batman" schaffte es, ein Spruchband zu entrollen, auf dem die "Väter für Gerechtigkeit" das Recht fordern, ihre Kinder zu sehen.

Gewagte Aktionen

Die "Väter für Gerechtigkeit" ("Fathers for Justice") sind geschiedene Männer, denen das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen wurde. Seit knapp zwei Jahren turnen sie auf Brückengeländern, Kirchendächern und Kränen herum, von Mal zu Mal werden ihre Aktionen gewagter. Im Mai zielte einer im Unterhaus mit mehlgefüllten Kondomen auf Premier Tony Blair. Ein anderer legte erst kürzlich das London Eye lahm, das Riesenrad an der Themse.

Hatch, der früher Jason Tunnicliff hieß, war verheiratet mit einer acht Jahre jüngeren Frau. Als die Ehe zerbrach , soll er versucht haben, seinen Sohn (heute fünf Jahre alt) und die Tochter (vier Jahre) zu entführen. Vor kurzem tauchte er schon einmal in einem Kostüm auf dem Dach eines berühmten Bauwerks auf, verkleidet als Kardinal auf der Kathedrale von York. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2004)

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    Neben dem Balkon der Queen machte Jason Hatch als Batman seine Späße, demonstrierte für mehr Rechte der Väter und düpierte den Scotland Yard, der für die Sicherheit der Royals zuständig ist.

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