EU will Ersatzteilmarkt öffnen

21. September 2004, 14:26
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Bisher durften in manchen EU-Staaten, darunter Österreich, nur Originalteile in Autos eingebaut werden. Die EU will das ändern

Eine Beule am Auto kostet - allerdings je nach EU-Land unterschiedlich viel. So muss man zum Beispiel für die Reparatur eines Kühlergrills eines Kleinstwagens derselben Marke in Frankreich 60 Euro zahlen, in Belgien 42 und in Italien nur 32 Euro. Der Grund für diese Preisdifferenzen, die über 200 Prozent betragen können, ist die unterschiedliche Rechtslage in der EU: In Frankreich und in sechs weiteren EU-Ländern - darunter Österreich - ist der Markt für so genannte designgeschützte Autoteile abgeschottet. Im Rest der Union können Autobesitzer einbauen, was sie wollen: Originalteile, Nachbauten, Fälschungen.

Entwurf

Eigentlich ist die EU ein Binnenmarkt, daher wird seit zwölf Jahren um einheitliche Regelungen gerungen. Damit ist nun Schluss: EU-Binnenmarkt-Kommissar Frits Bolkestein hat als eine seiner letzten Amtshandlungen am Dienstag nach mehreren Anläufen einen Entwurf präsentiert, wonach Autohersteller den Schutz vor dem Nachbau von Ersatzteilen verlieren sollen. Der Designschutz soll aufgehoben werden, um auf dem Markt für sichtbare Teile wie Scheinwerfer, Außenspiegel oder Kotflügel mehr Wettbewerb zuzulassen.

Aus der Autobranche gibt es dagegen beträchtlichen Widerstand: Macht doch der Umsatz der bisher designgeschützten Autoteile jährlich EU-weit rund zehn Milliarden Euro aus. Allein in Deutschland wird der lukrative Markt auf jährlich 2,5 Milliarden Euro geschätzt. Der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) argumentiert, dass die Liberalisierung Jobs in der europäischen Automobilindustrie bedrohe.

Schutz vor überhöhten Preisen

Aus Sicht der Konsumenten hält etwa der österreichische Autofahrerklub entgegen, dass mit Bolkesteins Reparaturklausel Kunden vor überhöhten Preisen geschützt werden und ein funktionierender Markt bei Ersatzteilen sichergestellt wird.

Bis der Kunde in der Werkstatt aber wirklich weniger zahlt, wird es noch dauern: Die Reparaturklausel muss noch vom Ministerrat und vom Europäischen Parlament abgesegnet (oder abgewandelt) werden. (Eva Linsinger aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2004)

  • EU-Binnenmarkt-Kommissar Frits Bolkestein hat einen Entwurf präsentiert, wonach Autohersteller den Schutz vor dem Nachbau von Ersatzteilen verlieren sollen.
    foto: epa

    EU-Binnenmarkt-Kommissar Frits Bolkestein hat einen Entwurf präsentiert, wonach Autohersteller den Schutz vor dem Nachbau von Ersatzteilen verlieren sollen.

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