Der Sommer ist noch nicht vorbei

20. September 2004, 16:49
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In Athen wird wieder das olympische Feuer brennen - Paralympics starten am Freitag

Athen/Wien - Drei Wochen nach Ende der Olympischen Spiele beginnen am Freitag in Athen die Paralympics, es ist dies die zweitgrößte Sportveranstaltung des Jahres. Mehr als 4000 Athleten aus 146 Ländern machen sich in 19 Disziplinen die Medaillen untereinander aus, das Österreichische Paralympische Committee (ÖPC) entsendet ein 47-köpfiges Team. "Das gleiche Resultat wie in Sydney mit zwei Gold-, sieben Silber- und sechs Bronzemedaillen wäre ein schöner Erfolg", nennt ÖPC-Präsident Peter Wittmann das Ziel.

Die 56.000 Karten für die Eröffnungsfeier der 12. Sommer-Paralympics sind vergriffen. Da auch der Behindertensport nicht frei von politischen Einflüssen ist, protestierte China beim Organisationskomitee gegen den geplanten Einmarsch der Präsidentengattin Wu Shu-jen. Die Frau des taiwanesischen Staatsoberhauptes Chen Shui-bian ist seit einem Verkehrsunfall 1985 hüftabwärts gelähmt und in Athen Delegationsleiterin des Teams aus Taiwan.

Vorbild Rogan

Die Österreicher starten in insgesamt neun Sportarten (Boccia, Leichtathletik, Powerlifting, Radsport, Reiten, Schießen, Schwimmen, Tennis, Tischtennis), neun Athletinnen und Athleten haben bei früheren Paralympics bereits Goldmedaillen gewonnen. Gleich drei Stück sammelte Schütze Oskar Kreuzer aus Ternitz - der 56-Jährige, der seit einem Mopedunfall im Jahr 1960 querschnittgelähmt ist, bestreitet bereits seine siebenten Spiele. Als Fahnenträgerin fungiert die 16-jährige Schwimmerin Janine Schmid, sie nennt Markus Rogan als Vorbild, mit zwei Silbernen wäre sie durchaus zufrieden.

Menschliche Größe

Der Salzburger Thomas Geierspichler (28) war 2000 Dritter im Rollstuhlmarathon, heuer zählt er nach Weltrekorden über 800, 1500, 5000 m und im Marathon in mehreren Disziplinen zu den Medaillenanwärtern. Einen Motivationsschub gab es wenige Tage vor der Abreise: Da erhielt Geierspichler Besuch von Hans Peter Steinacher, dem Doppel-Olympiasieger im Segeln. "Ich habe seine menschliche Größe kennen gelernt, und ich hoffe, dass auch ich erfolgreich aus Athen zurückkehre."

Erfolgsgaranten sind traditionell die Tischtennisspieler: Stanislaw Fraczyk (zweimal Gold 1996, Silber 2000) und Rudolf Hajek (1988 und 1992 insgesamt drei Goldene) zählen zu den Topfavoriten. Michael Buchleitner, 29. im olympischen Marathon, ist als Begleitläufer des blinden Kenianers Henry Wanyoike über 5000 m im Einsatz. "Derzeit gibt es niemanden, der Henry schlagen kann", sagte Buchleitner. In Sydney hatte Wanyoike Gold gewonnen, obwohl sein Führungsläufer zusammengebrochen war. Er schleppte seinen Begleiter ins Ziel, den Weg fand er dank der Zurufe von Zuschauern.

Dopingkontrollen werden bei den Paralympics ähnlich streng gehandhabt wie bei den Sommerspielen. (DER STANDARD Printausgabe 15.09.2004)

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