"Das Gesamtpaket muss stimmen"

19. September 2004, 14:32
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ÖSV-Springer-Trainer Alexander Pointner über Ziele und Gerüchte im Springerlager

Wien/Innsbruck - Es gibt "diesen roten Faden", der gesponnen werden muss. Alexander Pointner, seit April Cheftrainer der österreichischen Skispringer und für drei Jahr bestellt, würde nie behaupten, den Sport neu erfunden zu haben. "Die Dinge, worauf es ankommt, sind bekannt. Das Gesamtpaket muss stimmen, es ist für alle gleich. Vom Absprung bis hin zur Landung, die physischen Komponenten müssen mit den psychischen Hand in Hand gehen. Die Kleinigkeiten gehören individuell geregelt. Ich vertrete eine gesamtheitliche Philosophie."

Intern hochgedient

Pointner hat sich beim ÖSV quasi hochgedient. Er betreute die zweite Leistungsgruppe, war Kotrainer in der Nationalmannschaft, davor kümmerte er sich im Tiroler Landesverband um den Nachwuchs. Hannu Lepistös Nachfolger hat "keine Sekunde gezögert. Wer Angst vor einer Aufgabe hat, soll es bleiben lassen." Pointner ist erst 33 Jahre alt, "trotzdem bin ich ein Routinier". Er sehe sich nicht unbedingt als Kumpel, "der mit den Springern am Abend auf ein Bier geht. Aber ich bin auch nicht der Ernst Happel, vor mir muss man sich nicht fürchten. Ich bin teamfähig."

Skispringen hat sich zum Ganzjahressport entwickelt, derzeit läuft die Sommerserie, nach fünf von sieben Konkurrenzen steht der Pole Adam Malysz als Gesamtsieger fest. Martin Höllwarth, Thomas Morgenstern und Andreas Widhölzl belegten Spitzenplätze, der Mannschaftsbewerb in Hinterzarten wurde gewonnen. Pointer: "Die Richtung stimmt. Wer auf der Matte vorne dabei ist, ist es meistens auch im Winter." Man habe aber Schwächen entdeckt. "Die Norweger sind in der Luft einfach besser als wir."

Der Body-Mass-Index

Die FIS hat eine wesentliche Regeländerung eingeführt, die Springer dürfen ein gewisses Gewicht nicht unterschreiten. Passiert es trotzdem, wird der Betroffene natürlich nicht spontan wie eine Gans gestopft, er muss aber kürzere Skier anschnallen. Der so genannte Body-Mass-Index (BMI) wurde mit mindesten 20 festgesetzt, ein 1,80 Meter hoher Hupfer hat inklusive Ausrüstung (ca. vier Kilo) 65 Kilo zu wiegen. Pointner: "Natürlich werden sie weiter hungern, aber die vielen Gerüchte sind vorbei. Es kann nicht mehr ins Uferlose gehen." Der Fall des Sven Hannawald, der an einem Burn-out-Syndrom leidet und die Saison auslassen wird müssen, sei ein abschreckendes Beispiel gewesen.

Pointner möchte im Weltcup "die beste Mannschaft" stellen, bei der WM in Oberstdorf "zählen Medaillen". Es gelte nun, eine Siegermentalität zu entwickeln. "Jeder zieht mit, jeder arbeitet hart, die Jungen nehmen sich an den Alten ein Vorbild. Ich verlange Eigeninitiative." Man habe im österreichischen Team gewiss keine Lichtgestalt anzubieten, dazu fehlten die Serien an Siegen. "Aber das kann sich ändern. Für den Morgenstern ist schon ein zweiter Platz eine schwere Niederlage. Darauf lässt es sich aufbauen." (DER STANDARD Printausgabe 15.09.2004, Christian Hackl)

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    Alexander Pointner, neuer ÖSV-Springer-Trainer.

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