Der lange, mühsame Weg nach Europa

15. September 2004, 20:17
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Österreichs Basketballteam war in der jüngeren Vergangenheit praktisch nicht vorhanden - Mit einem Sieg gegen Zypern begann es wieder zu leben

Gmunden/Wien - "Zugegeben, es ist ein vermessenes Fernziel", sagt Michael Schrittwieser, "aber wir gehen in die richtige Richtung." Schrittwieser (37) ist Teamchef der österreichischen Basketballherren, und diese würde er ganz gern in der europäischen Elite mitspielen sehen. Besagte Elite ist ja kein besonders exklusiver Zirkel, 24 A-Nationen gibt es auf dem Kontinent, intern spielen sie sich aus, wer jeweils bei einer EM-Endrunde mitmachen darf.

Österreich zählt zu den B-Nationen, die danach trachten, erstklassig zu werden. Zu diesem Behufe gilt es zunächst einmal, eine Qualifikationsgruppe mit Zypern, Albanien und Weißrussland siegreich einer Erledigung zuzuführen, und schon das wird sich ziehen. Die Österreicher begannen mit einem 74:65 auf Zypern; es handelte sich um das erste Bewerbsspiel seit mehr als drei Jahren.

Erster Bewerb nach drie Jahren

Mittwoch Abend spielt das junge Team (Schnitt knapp über 23 Jahre) gegen Albanien (Gmunden, 18, live in TW 1), dessen Liga Schrittwieser mindestens so stark einschätzt wie die österreichische, und am Samstag in Oberwart gegen Weißrussland. Bester Werfer gegen Zypern war mit 26 Punkten De'Teri Mayes, ein Austro-US-Amerikaner, der seit sechs Jahren in Gmunden spielt. Jeder Nation ist es gestattet, einen Mann einzusetzen, der erst nach 1999 Staatsbürger wurde. Genau in einem Jahr erfolgen die Rückspiele in dieser Gruppe C der Division B, der Sieger matcht sich mit einem anderen Gruppensieger um die Erstklassigkeit. In dieser wiederum gibt's 2006 die Gelegenheit, sich für die EM-Endrunde 2007 zu qualifizieren. Schrittwieser: "Das ist vielleicht noch nicht real, aber dann schaffen wir es 2009."

Er ist verdammt lang, der Weg nach Europa. Und er sollte europäisch gegangen werden, meint der Steirer Schrittwieser, auch Headcoach des österreichischen Meisters Bulls Kapfenberg, also mit taktischer Disziplin, Fehlervermeidung und Rhythmuskontrolle und nicht, wie es in den USA geschehe, mit Athletik. Bei den Olympischen Spielen in Athen wurden die USA, vormals Dreamteam geheißen, ja vom Thron geholt, nahmen nur Bronze mit, Argentinien gewann das Finale gegen Italien. Und auch in der NBA würden immer mehr Europäer Schlüsselpositionen besetzen.

In der österreichischen Liga spielten drittklassige US-Legionäre die Hauptrollen, das sei ein Problem, dem solle man aber nicht mit einer Ausländerbeschränkung Herr werden, "das ist im Profisport sowieso nicht durchführbar". Wenn jeder Klub einen hauptamtlichen Nachwuchstrainer anstelle, löse sich das Problem von selbst. Mittel- bis langfristig halt, aber der Weg ist eben ein weiter. (DER STANDARD Printausgabe 15.09.2004, Benno Zelsacher)

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