"Hau di' eine, was geht" auch im Internet Webgerechte

15. September 2004, 17:56
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Inszenierung von Politikern

Nicht nur Finanzminister Karl-Heinz Grasser betreibt Imagepflege im Web. Auch andere Politiker setzen auf den ganz persönlichen Internetauftritt. Prominentestes Beispiel in der ÖVP: Innenminister Ernst Strasser. Er ist seit Dienstag wieder online. Wegen "Bauarbeiten" war seine Website (www.e-strasser.at) einige Wochen gesperrt - jetzt freut sich Ernst Strasser auf "regen Verkehr".

Interessierte Surfer können sich über Strassers Lieblingsbücher ebenso informieren, wie über seinen Musikgeschmack. Und wer ihn einmal persönlich treffen möchte: Die Joggingstrecke an der Donau zwischen dem Brucknerhaus und dem Linzer Hafen ist ein heißer Tipp. Finanziert wird der Homepagerelaunch in Höhe von rund 6000 Euro von Strasser selbst. Und: Er kümmert sich auch um deren Wartung, betont man in seinem Büro. Innerhalb der ÖVP ist der Innenminister mit seiner Website die Ausnahme. Alle anderen, von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel abwärts, sind über die Homepage der ÖVP verlinkt.

Anders die SPÖ-Granden: Parteichef Alfred Gusenbauer ist unter www.alfred-gusenbauer.at erreichbar. Die Domain www.gusenbauer.at hat sich ein anderer gesichert: ein Reiseveranstalter aus Pasching. Der SP-Chef kann unter den Klängen von Patti Smith's "People have the power" im Web beim "Menscheln" begleitet werden. Die Kosten trägt die Partei. Dort heißt es, durch die Homepage entstünde kein zusätzlicher finanzieller Aufwand.

Salzburgs SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller gibt sich im Netz (www.gabi.at) volksnah. Mit dabei: Hochzeitsfotos und ihr Lebensmotto: "Hau di' eine, was geht."

Bei den Freiheitlichen gehört die eigene Homepage längst zur Pflicht. FP-Generalsekretär Uwe Scheuch (www.uwe-scheuch.at) zeigt sich ganz privat bei der Jagd, gibt sich rustikal. Kärntens Parteichef Martin Strutz (www.martinstrutz.at) posiert auf seinem Motorrad und in Lederkluft. Strutz bezahle den Webauftritt selbst, heißt es aus der FPÖ. Auch Scheuch betreibe seine Homepage nicht auf Kosten der Kärntner FPÖ.

Sonderfall Haider

Ganz anders wird dies im Fall Jörg Haider gesehen. Dass die FPÖ für den Landeshauptmann eine Homepage unterhält, ist für die Freiheitlichen selbstverständlich. Seit dem letzten Landtagswahlkampf hat auch Jörg Haider eine eigene Homepage (www.joerg1.at). Diese wird von der Kärntner FPÖ hergestellt, gezahlt und gewartet. Die Kosten lassen sich laut Parteigeschäftsführer Manfred Stromberger nicht genau beziffern, "sie liegen zwischen 5000 und 10.000 Euro, wahrscheinlich aber auch darunter".

Wer bei den Grünen eine Privatpage sucht, wird nur bei Frauensprecherin Brigid Weinzinger (www.brigid.at) und Sicherheitssprecher Peter Pilz (peterpilz.at) fündig. Parteichef Alexander Van der Bellen verzichtet auf eine eigene Internetseite. vanderbellen.at wurde schon vor längerer Zeit vom Netz genommen.

Offiziell wird die Zurückhaltung damit erklärt, dass man mit gruene.at über eine sehr gute Homepage verfüge. Pilz hat noch eine Erklärung parat: "Van der Bellen ist halt' noch sehr dem Bleistift verbunden." (kmo, pm, stein, DER STANDARD Printausgabe, 14. September 2004)

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