Impfstoff gegen Hepatitis B soll Multiple Sklerose auslösen

15. September 2004, 21:30
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Französische Medikamenten-Aufsichtsbehörde fordert Prüfung umstrittener US-Studie

Washington/Paris - Hepatitis-B-Impfungen lösen möglicherweise Erkrankungen an Multipler Sklerose (MS) aus. Das ist das heftig umstrittene Ergebnis einer US-Studie, die in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Neurology" veröffentlicht wurde. Die französische Medikamenten-Aufsichtsbehörde (AFSSAPS) schaltete daraufhin die landeseigenen und europäischen Prüfungsmechanismen ein, um Gewissheit zu erhalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf vertrat die Ansicht, die Studie sei fehlerhaft und von begrenzter Aussagekraft.

Das Forscherteam um Miguel Hernan von der kalifornischen Universität Irvine wertete für die Studie die Impfgeschichten von 163 MS-Patienten aus. Dabei stellten sie fest, dass elf von ihnen in den drei Jahren vor der MS-Diagnose gegen Hepatitis B geimpft worden waren. Dieser Anteil lag drei Mal höher als in einer Vergleichsgruppe von 1.604 nicht Geimpften. "Diese Ergebnisse stimmen mit der Annahme überein, dass die Immunisierung mit einem rekombinanten Hepatitis-B-Impfstoff mit einem erhöhten MS-Risiko verbunden ist", erklärte Hernan. Allerdings sei nicht klar, ob der Impfstoff die MS-Erkrankung direkt verursacht oder vielleicht bei Menschen mit MS-Prädisposition den Ausbruch der Krankheit beschleunige.

Kein klares Ursache-Wirkungs-Verhältnis

Die US-Forscher gestanden allerdings ein, dass ihre Studie kein klares Ursache-Wirkungs-Verhältnis aufzeigt: 93,3 Prozent der berücksichtigten MS-Patienten waren nicht gegen Hepatitis B geimpft. Außerdem ist der Nutzen der Hepatitis-B-Impfung unstrittig. Die Krankheit kann schwere Lebererkrankungen oder Krebs nach sich ziehen. Weltweit leiden 350 Millionen Menschen an Hepatitis B, das unter anderem bei der Schwangerschaft, durch Bluttransfusionen oder durch Sexualkontakte übertragen wird. MS ist eine Erkrankung des Rückenmarks und des Gehirns, bei der scharf abgegrenzte Entzündungsherde entstehen.

Der französische Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy beauftragte den staatlichen Ausschuss für Impfstoffe, die Ergebnisse der Studie zu prüfen. Die WHO warnte, die Studie könnte zu falschen Schlüssen führen. Es sei "nicht wahrscheinlich", dass die Hepatitis-B-Impfung zu einer Verdreifachung des MS-Risikos führe, erklärte die Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Die Gefahr durch Hepatitis B sei höher einzuschätzen. (APA)

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