Ankara protestiert wegen Angriffen auf Turkmenen

15. September 2004, 20:07
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Dutzende Tote im westirakischen Tal Afar

Ankara/Bagdad - Die irakische Stadt Tal Afar, westlich von Mossul Richtung syrische Grenze, wird für die USA zum Politikum. Die Türkei hat laut türkischem Außenminister Abdullah Gül damit gedroht, die Zusammenarbeit mit den Amerikanern im Irak einzustellen, wenn die US-Armee nicht ihre Angriffe auf die vorwiegend von schiitischen Turkmenen bewohnte Stadt einstellt. Die Türkei betrachtet sich als deren Schutzmacht.

Auch die irakischen arabischen Schiiten kritisierten die US-Einsätze, bei denen es Dutzende Tote unter der Zivilbevölkerung gegeben hat.

Laut USA kommt aus Tal Afar Unterstützung für die sunnitischen Mudjahedin, diese würden sich unter der turkmenischen Bevölkerung verstecken. Allerdings wird berichtet, dass auch Turkmenen auf der Seite der Mudjahedin kämpfen. Die Hintergründe sind nicht ganz klar: Vielleicht tun sie es nur, weil ihre Stadt angegriffen wird; es könnte aber auch sein, dass sie sich dazu dadurch provoziert fühlen, dass kurdische Peschmerga - jetzt in die neue irakische Armee integriert - aufseiten der US-Armee kämpfen.

Die US-Armee hat bekanntlich Loyalitätsprobleme mit ihren irakischen Hilfstruppen, erst vor wenigen Tagen wurden sang- und klanglos die Falluja-Brigaden aufgelöst, die die gleichnamige Stadt kontrollieren hätten sollen. Sie hatten in großem Ausmaß mit den Aufständischen kollaboriert. Die einzigen, auf die sich die US-Armee im Irak verlassen kann, sind die Kurden: Ihr militärisches Engagement ruft jedoch Ressentiments bei Arabern und Turkmenen - mit denen sie um die Stadt Kirkuk streiten - hervor. (DER STANDARD, Printausgabe, 15. 9. 2004)

Von Gudrun Harrer
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    Irakische Turkmenen, die in der Türkei leben, protestieren gegen US-Angriffe auf Turkmenen im Irak.

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