Aufstand gegen WAZ in Rumänien

15. September 2004, 20:38
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Eigene Redaktion protestiert gegen deutsche Eigentümer

Das sei der "schwärzeste Tag", stand am Montag in einem großen schwarzen Viereck auf der Titelseite. Die Redaktion der Bukarester Tageszeitung "Romania libera" (Freies Rumänien) kämpft gegen ihren Verleger, die deutsche WAZ-Gruppe.

Chefredakteur Bogdan Ficeac kritisiert die Eigentümer in einem Leitartikel. Dem von der WAZ eingesetzten Geschäftsführer Klaus Overbeck wirft er vor, er wolle das Blatt politisch umkrempeln.

"Romania libera" ist Rumäniens klassische Dissidentenzeitung und geht mit der jetzt sozialdemokratischen Regierung noch immer täglich hart ins Gericht. Das scheine dem Eigentümer nicht zu gefallen. Der deutsche WAZ-Vertreter, sagt Ficeac, komme "immer wieder schnell von der Seitenaufteilung zu Vorwürfen: Warum wir die kritisierten, was wir gegen die Regierung hätten?"

Der rumänische Miteigentümer und frühere Chefredakteur Petre Mihai Bacanu spricht von "wachsendem Druck". Die angebliche "politische Linie" der WAZ könnte in Zusammenhang mit den Wahlen im November stehen, argwöhnt er.

Mit der politischen Linie habe der Streit in Bukarest "nichts zu tun", beteuert der Essener WAZ-Sprecher Peter Kossek: "Die haben da etwas in den falschen Hals bekommen."

"Reinreden in die Berichterstattung" widerspräche der Linie des Hauses, sagt Kossek. Die Redaktion wende sich dagegen, dass eine politische durch eine Lifestyle-Beilage ersetzt und der Anzeigenplatz vergrößert werden soll.

Der Schweizer Ringier-Verlag, auch Eigentümer zweier rumänischer Tageszeitungen, hat ähnliche Probleme wie die WAZ. Die Redaktionen von "Evenimentul zilei" und "Libertatea" wehren sich heftig gegen eine angeblich geplante Boulevardisierung ihrer Blätter.

In Österreich hält die WAZ je die Hälfte an "Krone", "Kurier" und ist über diesen an der "News"-Gruppe beteiligt. (Norbert Mappes-Niediek/DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2004)

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