Frankfurt: Seine Ablöse empört Buchmessen-Chef

17. September 2004, 21:41
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Börsenverein des Deutschen Buchhandels verlängert Vertrag mit Volker Neumann nicht: "Entscheidung erfüllt mich mit Bitterkeit und Trauer"

Frankfurt/Main - Die Frankfurter Buchmesse sucht einen neuen Chef: Wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag bekannt gab, wird der bis 31. Dezember 2005 laufende Vertrag mit Messe-Geschäftsführer Volker Neumann nicht verlängert. Der Aufsichtsrat des Börsenvereins habe einstimmig beschlossen, die 2006 neu zu besetzende Messeführung "frühzeitig und langfristig zu ordnen", hieß es in einer in Frankfurt am Main verbreiteten Erklärung. Der frühere Bertelsmann-Manager Neumann, der eine befristete Verlängerung seines Vertrags angeboten hatte, übernahm im Herbst 2002 das Amt.

Neumann habe bereits bei seiner Berufung 2002 eher als Interimslösung gegolten

Neumann reagierte empört: "Die Entscheidung erfüllt mich mit Bitterkeit und Trauer", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Der Aufsichtsratschef des Börsenvereins, Joachim Treeck, sagte, Neumann habe bereits bei seiner Berufung im Herbst 2002 eher als Interimslösung gegolten. Dies sei von beiden Seiten so gesehen worden, sagte Treeck der AP.

Neumann: Kann "sichtliche Erfolge nachweisen"

Neumann betonte dagegen, er selbst habe den Vertrag über 2005 hinaus verlängern wollen. Sein Amt sei nur deshalb vergleichweise knapp befristet worden, "weil ich kein erfahrener Messemann war". Die Entscheidung des Börsenvereins sei deshalb nicht nachzuvollziehen, weil er "sichtliche Erfolge nachweisen" könne. So habe die Messe die schwierigen Phase bei seinem Amtsantritt überwinden können.

Aufsichtsratschef: "Ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden mit ihm bin"

Treeck bestätigte, dass Neumann angeboten habe, für eine Vertragsverlängerung zur Verfügung zu stehen. Der Aufsichtsrat habe sich dann zwischen dem ursprünglichen Konzept der Interimslösung und Neumanns Angebot entscheiden müssen. Die Entscheidung sei umso schwieriger gewesen, da Neumann die Messe sehr erfolgreich nach vorne gebracht habe. "Ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden mit ihm bin", sagte Treeck. "Als sich 2002 die Vakanz ergab, war Herr Neumann ein Glückfund." Er verstehe deshalb die Enttäuschung des Geschäftsführers. Treeck deutete an, dass bei der Nicht-Verlängerung auch Neumanns Alter eine Rolle gespielt habe

Buchmessen-Direktor hatte mit Abwanderung der Messe gedroht

Der als umtriebig geltende Buchmessen-Direktor hatte im vergangenen Jahr wegen zu hoher Stand- und Hotelpreise mit der Abwanderung der Messe nach München gedroht. In der Folge einigte sich die Buchmesse mit der Frankfurter Messe GmbH jedoch auf einen neuen langfristigen Vertrag. Unter Neumann hatte die Buchmesse auch die Präsentation eines Gastlands auf der Bücherschau beibehalten. Nach Russland wird in diesem Jahr vom 6. bis 10. Oktober die Arabische Welt Gast in Frankfurt sein.

Treeck betonte, dass die Entscheidung nichts mit dem Streit um einen Umzug der Buchmesse nach München zu tun habe. "Das Thema ist ja bekanntlich gelöst", sagte er. Neumann betonte, dass er seinen Vertrag erfüllen wolle. Allerdings könne er nicht garantieren, dass er noch die Messe 2005 leiten werde. Möglicherweise werde er dann schon seinen Nachfolger einarbeiten. (APA/AP/dpa)

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