Chronologie: 90 Jahre Palmers

21. September 2004, 14:16
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Traditions-Wäschekonzern wurde 90 Jahre nach der Gründung verkauft

Gründer des traditionsreichen heimischen Wäschekonzerns war Ludwig Palmers, der 1914 in Innsbruck mit einem Wäschegeschäft startete. 1936 folgte die erste Palmers-Verkaufsstelle, die von einem Franchisenehmer geführt wurde.

Der Startschuss zur Expansion mit vorerst 45 Palmers-Geschäften fiel nach dem Zweiten Weltkrieg. Ludwig Palmers Sohn Walter gelang es in der Folge österreichweit ein flächendeckendes Netz an grünen Palmers-Filialen aufzubauen.

Entführung

Die Entführung von Walter Palmers vor seiner Villa im Wiener Nobelbezirk Währing, brachte die Familie Palmers 1977 in die Medien-Schlagzeilen. Walter Palmers wurde nach der Zahlung eines Lösegelds von mehr als 2 Mio. Euro wieder freigelassen.

1979 zog sich Walter Palmers aus dem Geschäft zurück und übergab die Unternehmensleitung an Rudolf Humer, den Sohn eines langjährigen Palmers-Mitarbeiters. Im selben Jahr wurde Palmers in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

50 Standorte in Deutschland

Die Expansion zur heutigen Unternehmensgröße erfolgte in den 80er und 90er Jahren. 1992 wurde die Palmers Textil AG, die heute das gesamte Wäschegeschäft betreibt, gegründet. 1995 expandierte Palmers nach Deutschland und eröffnete dort insgesamt 50 Standorte. 1998 wurde die Wäschemarke "P2" gegründet und die Sperrminorität des damaligen Konkurrenten Gazelle übernommen. Im darauffolgenden Jahr wurde Gazelle komplett von Palmers geschluckt.

Zum Palmers-Konzern dazu kamen die Modekette Don Gil, der Hemdenhersteller Gloriette, Reiter Schuhe und die Mode-Nobeladresse Braun & Co am Wiener Graben. Parallel dazu wurde der Immobilienbereich vor allem mit dem Kauf der Gerngross AG kräftig ausgebaut.

Rückzug

2002 begannen die Streitereien zwischen Eigentümern, Vorstand und Aufsichtsräten, die 2003 letztlich zum Rückzug von Rudolf Humer und seiner Vorstandskollegin Astrid Gilhofer führten, wobei Humer allerdings auch weiterhin eine Palmers-Beteiligung hält. In den Vorstand der Palmers Textil AG zogen Joachim Knehs und Walter Wölfler ein. Der ehemalige Chef der Wienerberger Paul Tanos wurde Aufsichtsrats-Chef. Noch im selben Jahr wurden die Weichen für eine Sanierung des Unternehmens gestellt. Don Gil, Reiter Schuhe, Braun & Co. und die Kaufhäuser Gerngross in Wien und Tyrol in Innsbruck wurden verkauft.

Verkauf

Montag Nacht wurde die Palmers Textil AG an die deutsche Quadriga Capital und die heimische Lead Equity verkauft. Der Schweizer Textil-Manager Thomas Weber übernahm das Ruder. Im Aufsichtsrat löst Christian Hausmaninger den bisherigen Vorsitzenden Paul Tanos ab. (APA)

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