Lymphome - Umbruch in der Therapie

14. September 2004, 13:45
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Wien - 1832 beschrieb ein britischer Arzt zum ersten Mal bösartige Tumorerkrankungen, die von Lymphozyten ausgehen. Sie erhielten die Bezeichnung "Hodgkin-Lymphom". Alle anderen Lymphome - mit etwa 30 Untergruppen - werden als "Non-Hodgkin-Lymphome" bezeichnet. Die moderne Molekularbiologie hat in den vergangenen Jahren einen völligen Umbruch in Diagnose und Therapie anrollen lassen. Die wichtigsten Daten:

  • Lymphome: Tumoren, die sich durch die krankhafte Teilung von Lymphozyten im Lymphsystem bilden.

  • Hodgkin-Lymphome: Weltweit pro Jahr 62.000 Erkrankungen, etwa 25.000 Todesfälle (zwei Drittel der Patienten sind Männer). Die Krankheit ist zumeist heilbar.

  • Non-Hodgkin-Lymphome: Weltweit pro Jahr 286.000 Erkrankungen, 161.000 Todesfälle (60 Prozent der Patienten sind Männer). Sie haben insgesamt eine schlechtere Heilungschancen als beim Hodgkin-Lymphom.

  • 90 Prozent der Non-Hodgkin-Lymphome gehen von bösartig veränderten B-Lymphozyten aus. Sie haben an ihrer Oberfläche einen Kalzium-Kanal (CD20-Oberflächenmolekül), der für die Energieversorgung der Zelle wichtig ist.

  • Zehn Prozent der Non-Hodgkin-Lymphom entstehen aus T-Lymphozyten aus (einer der Marker: das CD52 Oberflächenprotein).

  • Bei den Non-Hodgkin-Lymphomen sind die "aggressiven" Formen bei frühzeitiger Diagnose zu bis zu 50 Prozent heilbar. Strahlen- bzw. Chemotherapie treffen nämlich immer speziell sich teilende Zellen.

  • Zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium werden die langsam wachsenden "indolenten" Non-Hodgkin-Lymphome entdeckt. Hier ist die Heilungschance geringer. Die Lebenserwartung beträgt aber nach der Diagnose immer noch fünf bis zehn Jahre.

  • Späte Diagnosen: Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Nachtschweiß und geschwollene Lymphknoten können noch viele andere Ursachen haben. Speziell beim langsam wachsenden Lymphom dauert es deshalb oft lange Zeit, bis eine genaue Diagnose erfolgt.

  • Die wichtigsten Therapieformen von Lymphomen: Chemotherapie-Zyklen (mehrerere Zytostatika), Strahlenbehandlung, Kombination der Zytostatika mit monoklonalen Antikörpern die gegen CD20-, CD52-Oberflächenmerkmale gerichtet sind. Damit lassen sich Ansprechraten von 80 und mehr Prozent erzielen. Das Fortschreiten der Erkrankungen wird hinaus geschoben. Immer mehr gibt es auch Hinweise auf einen Gewinn an Überlebenszeit. Knochenmark- und Stammzelltransplantationen kommen nur für einen Teil der Betroffenen in Frage.

  • Mittlerweile sind auch schon monoklonale Antikörper zur Behandlung von Lymphom-Patienten zugelassen, welche deren Effekt mit jenem einer lokalen Strahlentherapie kombinieren. An die Antikörper werden strahlende Radioisotope angehängt.

  • Eine wesentliche Verbesserung sollen die Gen-Chips in der Diagnose der Unterformen der Lymphome bringen: Erstmals soll es möglich werden, die Krankheit eines einzelnen Patienten individuell zu charakterisieren und danach eine maßgeschneiderte Therapie auszusuchen. (APA)
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