14.9.: Leserstimmen Lustig I und II

17. September 2004, 19:38
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Reaktionen aus der mitleidenden Bevölkerung

Lustig I

Betrifft: Antonio Fians Dramolett "Schaß im Wasserglas"
DER STANDARD, 11. 9. 2004

Antonio Fian kann nicht einfach sagen, dass er bei Nennings Austrokoffer nicht mitmacht. Er muss in einem seiner unsäglich witzlosen Dramolette, deren Inhalt sich meist darin erschöpft, dass er Schriftsteller grundlos, also ohne zu argumentieren, lächerlich zu machen versucht, er muss also die Schriftstellerin Mitgutsch und den Schriftsteller Gauß, die sich in die Anti-Austrokoffer-Einheitsfront noch nicht eingereiht haben, in Zusammenhang bringen mit austrofaschistischen und nationalsozialistischen Autoren. Wie lustig.

Die schlimmste Form der autoritären Persönlichkeit besteht darin, dass jemand nicht für sich spricht und deshalb anderen, von denen er wünscht, sie sprächen wie er, seine Meinung aufnötigen möchte. Verbände mich mit Nenning nicht eine ebenso alte wie tiefe Aversion, würde ich sogar mit diesem Repräsentanten intellektueller Verwahrlosung eher gemeinsame Sache machen als mit dem lustigen Fian.
Michael Scharang, 1221 Wien

Lustig II

Da immer mehr Schriftsteller/innen vom "Austrokoffer" genug haben, sollte man nur die Werke von Lotte Ingrisch hineinpacken und ihn "Mystic-Box" nennen. Bei der Präsentation könnte Morak - um Rechtsprobleme zu vermeiden - aktuelle Mauthe-Texte aus dem Jenseits vortragen, Nenning zum feierlichen Abschluss zur Musik der Geschwister Haider den Wende-Walzer tanzen. So wäre allen gedient und auch Dichand fiele keine Zacke aus der Krone.
Wilhelm Pellert, 1120 Wien

Zukunftsreich

Betrifft: Offener Koffer-Brief von Sen. Norbert Roszenich an Kanzler Schüssel
DER STANDARD, 13. 9. 2004

Geehrter Herr Senator! Bewundere die vorzüglichen Ergebnisse Ihrer akribischen Kofferforschung. Es steht allerdings zu befürchten, dass einer zügigen Bearbeitung Ihrer gelungenen Vorschläge die Einsetzung einer K-K (Koffer-Kommission) voran gestellt werden wird. Da diese K-K-Arbeit ohne Zweifel Schwerarbeit darstellt, wird es folglich einige Zeit bis zur öffentlichen Ehrung des ersten amtlichen Vollkoffers der Republik dauern. Univ.-Doz. Josef Hochgerner 1010 Wien Geehrter Herr Dozent, danke für Ihre interessante Stellungnahme - in Vorbereitung des Staatsvertragsjubels scheint sich ein höchst kreativer Austrokofferdialog zu entfalten. Ich werde daher Herrn Dr. Schüssel vorschlagen, die sog. Reformdialoge in den Redoutensälen unverzüglich in "Kofferdialoge" umzubenennen und Sie auf die Einladungsliste zu setzen.
NR

Lanze für Panzer

Betrifft: Gastkommentar "Literatur und politische Agitation" von Fritz Panzer,
DER STANDARD, 4. 9. 2004

Da der "Austrokoffer" von Peter Pongratz gestaltet wird, der nicht der Lieblingsmaler von Bundeskanzler Schüssel ist, und vom bekannten Literaturwissenschafter Günther Nenning herausgegeben wird, der nicht der Hagiograf von Hans Dichand ist, dessen "Kronenzeitung" den "Koffer" nicht besonders bewerben wird, ist Verleger Fritz Panzer selbstverständlich beizupflichten, dass politische Einflussnahme auf das Projekt von vornherein nicht anzunehmen ist.
Peter Skropek 1160 Wien

(DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2004)

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