"Beratung ist unverzichtbar"

22. September 2004, 10:37
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Österreich: Abfuhr für Internetapotheken

93 Prozent der Österreicher lehnen Internethandel und Postversand von Medikamenten ab und möchten diese lieber aus der Hand eines Apothekers erhalten. Dies ergab eine Studie des Instituts für Sozialmedizin. Auch Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat hat sich entschieden gegen die Zulassung von Versandapotheken ausgesprochen. "Ich bin gegen jede Form der Selbstmedikation, auch über das Internet", sagte sie bei der von der österreichischen Apothekerkammer organisierten Präsentation der Studie.

Verlust der fachlichen Beratung

Der Leiter des Instituts Michael Kunze erklärte, dass der Verlust der fachlichen Beratung bei Internetversand der Hauptgrund für die extrem hohe Ablehnung sei, nur 6,8 Prozent fänden es "grundsätzlich eine gute Idee". Der Präsident der Apothekerkammer Herbert Cabana betonte die Unersetzbarkeit der fachkundigen Information in der Apotheke, welche 67, 5 Prozent in Anspruch nehmen. "Wir wissen, dass Gespräche im Schnitt zehn Minuten dauern. Die Leute wollen mündig werden. Man will Wohlbefinden haben, will wissen, was mit seinem Körper passiert."

Risiken

"Für uns als Apotheker ist das Studienergebnis ein klarer Auftrag weiterhin konsequent als Gesundheitsberater tätig zu sein. Wir lehnen den Versandhandel aus Sicherheitsgründen strikt ab", erklärte Cabana weiter. Die Hauptrisiken seien Selbstmedikation, die falsche Lagerung, Temperaturschwankungen beim Transport, fehlende Beratung und Information, und besonders auch die unsichere Herkunft im Hinblick auf gefälschte Medikamente.

Deutschland

Im Gegensatz zu Österreich, wo Post und Internetversand von Medikamenten nicht erlaubt sind, ist dies in Deutschland seit Jänner 2004 für rezeptfreie Medikamente möglich. Wie pte berichtete, rechnen Experten in den nächsten fünf Jahren mit einem erheblichen Bedeutungsanstieg von Online-Apotheken. In Deutschland wird ein Rückgang von 21.400 Apotheken auf 15.000 vorausgesagt. Im Juli 2004 hatten schon 600 Versandapotheken die notwenige Zulassung erhalten. (pte)

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