Mit dem Einkaufskorb Richtung Zukunft

Redaktion
15. Oktober 2004, 12:43
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    foto: apa/dpa/kiefer

Die Veränderung gängiger Konsummuster als Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung

Weltweit ist ein Trend zu immer mehr und größerem Besitz – größere Autos, größere Kühlschränke, größere Häuser – zu erkennen. Rund 1,7 Milliarden Menschen zählten bereits zu der weltweiten Konsumentenschicht, heißt es im jüngsten Bericht des amerikanischen Worldwatch-Instituts "Zur Lage der Welt 2004". Der zunehmende Konsum macht allerdings nicht glücklicher – wie schon 1957 würde heute nur ein Drittel der US-Bürger angeben, sehr glücklich zu sein, obwohl der Wohlstand damals nur halb so groß war, so der Bericht.

Während das subjektiv empfundene Glück also nicht zu steigen scheint, wachsen allerdings die mit dem Konsum verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt. Der gegenwärtige Lebensstil der weltweiten Konsumentenschicht basiert auf hohem Konsumniveau und damit verbundenem extrem hohen Energie- und Ressourcenverbrauch. Während es gelungen ist, die Umweltauswirkungen von Produktionsprozessen durch gesetzliche und freiwillige Maßnahmen einzudämmen, wurden Privathaushalte eine immer größere Belastung für die Umwelt. So steigt etwa laut Europäischer Umweltagentur der Energieverbrauch und das Abfallaufkommen europäischer Haushalte nach wie vor an. Beim Klimaschutz müssen Konsumenten insgesamt zur Zeit eher als Sorgenkinder betrachtet werden, was ihren Beitrag zur Treibhausgasemissionsreduktion angeht.

Konzentration auf die Lebensbereiche Wohnen, Ernährung und Mobilität

Die umweltbewegten 1980er Jahre konnten zwar das Umweltbewusstsein der Bevölkerung erhöhen, aber das öffentliche Verständnis für die relative Dringlichkeit von Änderungen im eigenen Konsumverhalten ist nach wie vor gering. Nicht alle Konsumbereiche sind dabei für den Schutz einer gesunden Umwelt von gleicher Bedeutung. Als die drei Lebensbereiche mit den stärksten Umweltauswirkungen haben sich Bauen und Wohnen, Ernährung und Mobilität herausgestellt. Gleichzeitig sind das die drei Lebensbereiche, in denen die Haushalte einen relevanten Gestaltungsspielraum haben und durch ihr persönliches Verhalten die Auswirkungen auf die Umwelt am ehesten beeinflussen können.

Es gibt bereits Beispiele, die zeigen, dass ein nachhaltiger Lebensstil in diesen Bereichen nicht zwingend mit Verzicht verbunden ist, sondern auch Spaß machen und genussvoll sein kann. Dazu zählen nach Ansicht von Sylvia Lorek, Vizepräsidentin des Sustainable Europe Research Institute und Gastkommentatorin des Monatsthemas September auf Nachhaltigkeit.at etwa "schmackhafte, unbelastete Nahrungsmittel aus ökologischem Anbau, hochwertiges Wohnen in der Stadt zu bezahlbaren Preisen und eine Politik, die das Mobil-sein-Können mit Nicht-mobil-sein-Müssen und einer Verbesserung des Verkehrsangebots verbindet".

Im Bereich Ernährung geht der Einflussbereich der Konsumenten weit über Optionsmöglichkeiten für das Kühl- und Kochverhalten oder die Wahl des Transportmittels für den Einkauf und des damit verbundenen Energieverbrauchs hinaus. Vor allem durch die Auswahl der Nahrungsmittel können die Konsumenten richtungsweisend auf die Umweltauswirkungen ihres Essens einwirken. Niedriger Fleischkonsum, Verwendung von Produkten aus ökologischem Landbau und sozial verträglicher Erzeugung, Bevorzugung regionaler und saisonaler Produkte sowie wenig verarbeiteter Produkte sind Aspekte, die für den Lebensmitteleinkauf und die Ernährung vorgeschlagen werden, um ökologische und soziale Auswirkungen gering zu halten.

Das Monatsthema September 2004 auf Nachhaltigkeit.at beschäftigt sich mit den Trends im Konsum und Wegen zu nachhaltigem Konsum. Es setzt sich mit der Frage auseinander, wie Konsumenten zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können und zeigt, welche positiven Projekte für nachhaltigen Konsum – v. a. im Bereich Ernährung – bereits existieren.

Mit Wegen zu einem zukunftsfähigen Konsum beschäftigt sich das "Thema des Monats" September 2004 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Zur Autorin:
Judith Galla ist Mitarbeiterin am Forschungs- schwerpunkt "Nachhaltigkeit und Umweltmanagement" der Wirtschafts- universität Wien

Direkt-Link zum Monatsthema 09/2004
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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