Neue Angst vor Schießwütigen

15. September 2004, 14:12
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Schwere Angriffswaffen dürfen ab sofort wieder verkauft werden

Waffengegner und Polizei in den USA sind bestürzt darüber, dass die Gültigkeit des Gesetzes gegen freien Verkauf von schweren Angriffswaffen nicht verlängert wurde.

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Washington - Montag, 13. 9. 2004, Mitternacht, lautet juristisch exakt der Zeitpunkt für das Auslaufen des 1994 geschaffenen Gesetzes, das in den USA den privaten Kauf von schweren Angriffswaffen verbot. Doch längst schon bietet "Don's Guns", einer der größten Waffenhändler der USA, via Internet die Kalaschnikow AK-47 samt Patronengürtel Munition an.

Die Polizeipräsidenten der US-Metropolen sind über das Auslaufen der Gesetzesgültigkeit entsetzt. Sie argumentieren, dass die Gewaltrate wieder steigen werde und die Polizei ihrerseits wieder gegen schwer bewaffnete Kriminelle "aufrüsten" müsse.

Auch die Waffengegner protestieren empört. Einer jüngsten Umfrage zufolge würden 68 Prozent der US-Bürger ein Weiterwirken des 1994 von Bill Clinton unterzeichneten, mit zehn Jahren Gültigkeitsdauer begrenzten Gesetzes begrüßen. Doch derzeit ist Wahlkampf, US-Präsident George W. Bush wurde nicht aktiv und berief sich darauf, dass der Kongress den Antrag hätte stellen müssen.

Mächtige Waffenlobby

Dort aber hat die "National Rifle Association" (NRA), eine Waffenlobby mit einem Jahresbudget von umgerechnet mehr als 160 Millionen Euro, gehörigen Einfluss. Nicht ohne Grund hatte die NRA verkündet, sie werde erst nach dem Auslaufen des Waffenverbotsgesetztes entscheiden, welchen Präsidentschaftskandidaten sie unterstütze.

Das wird nun eher nicht der Demokrat John Kerry sein, er hatte seinen Gegner Bush öffentlich wegen der fehlenden Verlängerung attackiert.

Ob das Gesetz jetzt wieder Thema im Wahlkampf wird, bleibt ungewiss. Die Gegner des Gesetzes argumentieren, die Kriminalitätsrate in den USA sei weiterhin im Sinken, Waffengegner halten dagegen, dass es ohnehin verschärft werden müsse. Denn durch geringfügige Änderung der Waffen konnten sich Händler den Bestimmungen entziehen. Mit einer so umgerüsteten Waffe schossen Dylan Klebold beim Schulmassaker an der "Columbine High School" in Littleton (13 Tote) und die Sniper von Washington (sechs Tote).

Kleiner Teilerfolg der Waffengegner: Im Fall der Washingtoner Heckenschützen zahlen die Hersteller der verwendeten Waffen den Familien der Opfer umgerechnet insgesamt 2,08 Millionen Euro Entschädigung. (dpa, AP, kps/DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2004)

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    Waffenmessen in den USA werden von der ganzen Familie besucht, seit Dienstag gibt es auch schwere Angriffswaffen wieder im freien Verkauf für Private.

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