"Die Sprache des Benzins": Autofanatiker und ihre Rennen

17. September 2004, 16:02
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Illegale Straßenrennen wie am Sonntag in Oberösterreich sorgen immer wieder für Aufregung - Die Rennen in Wien sind seltener geworden – auch wegen freiwilliger Präventionsarbeit von Beamten

Wien/Linz – "Wir wussten, dass auf der West- und Mühlkreisautobahn vermehrt Rennen stattfinden, deshalb haben wir verstärkt geschaut", kommentiert Klaus Scherleitner von der oberösterreichischen Gendarmerie-Verkehrsabteilung den Erfolg seiner Beamten. Sie hatten, wie berichtet, am Sonntagvormittag drei Oberösterreichern die Führerscheine abgenommen, nachdem die 25 bis 37 Jahre alten Männer bei einem Rennen mit bis zu 260 Stundenkilometern über die A 7 gedonnert waren.

Die Raser hatten sich einige Tage zuvor verabredet, die Exekutive war ihnen jedoch auf die Spur gekommen. Eine mit Videokamera ausgestattete Zivilstreife folgte ihnen, als sie auf der dreispurigen Autobahn einen fliegenden Start hinlegten und mehr als acht Kilometer lang Gas gaben.

Alter überrascht

Vom Alter der Beteiligten ist nicht nur Gendarm Scherleitner überrascht. Auch Michael Gatscha, Verkehrspsychologe beim Kuratorium für Verkehrssicherheit wundert sich. "Verabredete Rennen sind normalerweise eher unter Jüngeren üblich. Außerdem haben die ältere Fahrer nach unseren Erfahrungen eher seriennahe Autos, die Fahrzeuge bei diesem Rennen waren aber offensichtlich speziell getunt."

Grob gesagt teilt Gatscha die Autofanatiker in zwei Gruppen: die "jungen Wilden", denen es vor allem auf die Kombination von vielen PS und niedrigem Fahrzeuggewicht ankommt, sowie wohlhabende Ältere, für die die Höchstgeschwindigkeit das Kriterium ist. Besonders bei letzterem geht es bei Rennen "vor allem um Erprobungsgeschichten, wer wirklich das schnellste Auto hat."

Eine Einschätzung, die auch Andreas Köck von der Wiener Verkehrsabteilung teilt. "In einem Fall wie in Linz geht es weniger um eine Mutprobe, die sind reines Kräftemessen", erzählt er. In der Bundeshauptstadt seien organisierte Rennen aber selten geworden, meint der 36-Jährige.

Nicht nur beruflich, beispielsweise mit Verkehrsberatungen in Berufsschulen, sondern auch in seiner Freizeit beschäftigt sich der Beamte mit der Roadrunner-Szene. In einschlägigen Foren gibt er Rat und Auskunft, etwa zu rechtlichen Fragen. So baut er auch eine Gesprächsbasis auf, mit der er Präventionsmaßnahmen setzen kann.

"Ich war schon mit einer Gruppe in einer Reha-Klinik, außerdem haben wir jüngst ein spezielles Fahrsicherheitstraining organisiert. Der Instruktor war dabei der Rallye- Fahrer Christian Rosner, der spricht die Sprache des Benzins. Der kann daher einen ganz anderen Draht zu den Fahrern herstellen", gibt sich Köck überzeugt. Dennoch: "Es ist ein Problem, dass die meisten erst durch ein Aha-Erlebnis, also einen Unfall, klüger werden", gesteht der Polizist ein.

Verkehrsstrafengipfel

Verkehrsstrafen sind dagegen für die typischen Autofanatiker eher kein Grund, ihr Hobby aufzugeben. Um dennoch eine Vereinheitlichung der je Bundesland unterschiedlichen Strafen zu erreichen, tagte am Montag im Verkehrsministerium eine Expertenrunde. Die Urteile fielen höchst unterschiedlich aus: Während man im Büro von Verkehrsminister Hubert Gorbach (FP) und beim Arbö teilweise "Konsens" ortete, glaubt man beim Öamtc nicht daran, dass sich die Länder zu der von Gorbach gewünschten freiwilligen Angleichung durchringen werden. (Michael Möseneder, Der Standard, Printausgabe, 14.09.2004)

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    Mit über 260 kmh waren die Roadrunner in Oberösterreich am Sonntag unterwegs.

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