ÖGB: Tauziehen um die Stiftung der Angestellten

14. September 2004, 15:09
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Großteil des Gewerkschaftsvermögens ist geheim, um Arbeitgebern nicht die Größe der "Kriegskasse" zu verraten - mit Kommentar

Wien - Nach dem Platzen der Fusion von Privatangestellten- und Metallergewerkschaft in der Vorwoche, muss sich der Bundesvorstand der GPA am Dienstag mit den finanziellen Auswirkungen befassen. Wie berichtet, waren vor allem die Immobiliengeschäfte der Angestelltengewerkschaft GPA von den Metallern kritisiert und zum Anlass für die Beendigung der Gespräche genommen worden.

Dabei hatte es bereits Beschlüsse gegeben, die GPA-Privatstiftung (unter deren Dach das Immobiliengeschäft läuft) dem ÖGB zu übergeben: "Die Stiftung der GPA wird in den ÖGB eingegliedert. Alle Vermögenswerte der Fachgewerkschaften sind in eine gemeinsame Stiftung eingebracht worden, jetzt wird auch die Stiftung der GPA in diese gemeinsame Stiftung eingebracht", referiert Manfred Wiedner, Stellvertreter des Vorsitzenden der Zentralen Kontrollkommission des ÖGB, dem STANDARD seinen Wissensstand.

Dieser könnte aber überholt sein, denn nach dem Scheitern der Fusion will die GPA noch einmal überlegen, sich von ihrer Stiftung zu trennen - noch dazu, wo sich ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch in der Vorwoche der Meinung der Metaller angeschlossen hat, dass nur die Wohnbauaktivitäten, nicht aber die restlichen Geschäfte, wie der Betrieb der Gasometer-Mall und des Office Campus, zu den gewerkschaftlichen Aufgaben gehören. Allein die Wohnbauten der GPA werden auf 400 Millionen Euro geschätzt.

Die ÖGB-Stiftung "Österreichische Gewerkschaftliche Solidarität Privatstiftung" ist allerdings noch wesentlich reicher: In ihr auf mindestens sechs Milliarden Euro geschätztes Vermögen fällt unter anderem der Streikfonds (die "Kriegskasse" für Arbeitskämpfe), der durch das Parken in der Stiftung einer drohenden Regierungskontrolle über das Vereinsgesetz entzogen wurde. Weiterer Gewerkschaftsbesitz umfasst die Bawag (mitsamt Industriebeteiligungen), Anteile an der Nationalbank, das Reisebüro Sotour, einen Verlag und den Restitutionsfonds freier Gewerkschaften. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2004)

Kommentar

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- von Conrad Seidl

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