Krenn-Ablöse: Vatikan schweigt, Österreich spekuliert

17. September 2004, 19:53
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Keine "Rücktrittsoffensive" von Kurt Krenn

Rom/St. Pölten – Der Vatikan schweigt weiter: Auch am Montag ist der – in Österreich fix erwartete – Rücktritt des St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn im täglichen Bulletin des Presseamts des heiligen Stuhls nicht verlautbart worden. Krenn selbst bleibt gelassen: "Der Herr Bischof schließt sich der allgemeinen Hektik nicht an und wartet in aller Ruhe in der Diözese auf eine päpstliche Nachricht", sagt sein Sprecher Michael Dinhobl zum Standard.

Bischof Krenn werde auch sicher nicht in eine "Rücktrittsoffensive" gehen, denn eine "bischöfliche Absetzung" könne sowieso nur der Papst aussprechen. Überlegungen für einen Nachfolger dementiert Dinhobl: "Solche Gedanken sind völlig fehl am Platz."

Nachfolgekandidaten

Das kann man freilich auch anders sehen: Kirchenintern wird schon wild spekuliert. Als Favoriten gelten der Kärntner Bischof Alois Schwarz und der Abt des Stiftes Heiligenkreuz, Gregor Henckel- Donnersmarck. Letzterer wurde schon öfter als Kandidat gehandelt, kam aber nie zum Zug. Eine andere Variante ist, dass der derzeitige Apostolische Visitator, Vorarlbergs Bischof Klaus Küng, auf Krenn folgt – vielleicht auch nur als Administrator, bis ein geeigneter Kandidat gefunden ist.

"Es braucht jemanden, der wirklich in der Mitte steht und auch das Vertrauen der kirchenpolitischen Lager hat", meint der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner im Gespräch mit dem Standard. Und das, so Zulehner, spreche gegen Küng, der ja "in der eigenen Diözese schon so viele Probleme hat".

Übergangslösung

Zulehner hofft auf eine ganz andere Lösung: "Damit die Diözese nicht entmündigt wird, wäre es am besten, wenn ein Diözesanadministrator aus dem Domkapitel gewählt wird." Namentlich nennt Zulehner dabei Weihbischof Heinrich Fasching.

Sollte mit der Bekanntgabe von Krenns Abgang auch gleich ein neuer Bischof genannt werden, rechnet Zulehner nicht mit großen Überraschungen: "Das muss dann jemand sein, der im Vatikan schon gut gekannt wird. Da wird man kein Risiko eingehen." Und im Nachsatz: "Ich glaube aber, dass dafür keiner zur Verfügung stehen wird." (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, Der Standard, Printausgabe, 14.09.2004)

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