Guantanamo: Folter seit 2002 bekannt

16. September 2004, 10:48
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CIA-Mitarbeiter: "Wir begehen Kriegs­ver­brechen" - Verteidigungsminister Rumsfeld soll Vorfälle ignoriert haben

London - Ranghohe Mitglieder der US-Regierung sind nach Angaben des US-Journalisten Seymour Hersh bereits im Herbst 2002 von Misshandlungen im Gefangenenlager in Guantanamo Bay auf Kuba unterrichtet gewesen. Trotzdem habe Washington nicht gegengesteuert, heißt es in dem demnächst erscheinenden Buch "Chain of Command" von Hersh, aus dem der britische "Guardian" am Montag Auszüge veröffentlichte. "Sollten die Vorgänge in Guantánamo Bay jemals bekannt werden, wäre das schädlich für den Präsidenten", zitiert Hersh in seinem Buch einen ehemaligen US-Regierungsmitarbeiter.

In "Chain of Command" zitiert Hersh zudem einen CIA-Mitarbeiter, der nach einem Besuch des Gefangenenlagers im Sommer 2002 überzeugt gewesen sei, "dass wir dort Kriegsverbrechen begehen". Mehr als die Hälfte der Inhaftierten sei ohne Grund in dem Lager festgehalten worden; mehrere Gefangene seien in ihren eigenen Fäkalien gelegen.

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice habe auf Grund seines Berichts im Herbst 2002 Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gebeten, sich des Problems anzunehmen. Dieser habe sich jedoch entschieden, "nichts zu tun".

Folterungen

Dem "Guardian" zufolge sagten FBI-Mitarbeiter Hersh, Wachmänner hätten Gefangene geschlagen, sie ausgezogen, sie mit kaltem Wasser übergossen und gezwungen, so lange stillzustehen, bis sie an Unterkühlung litten. Nach Aussagen des ehemaligen Regierungsmitarbeiters mussten Häftlinge zudem in Zwangsjacken und verhüllten Köpfen in der Sonne ausharren.

Seymour Hersh hatte im Mai im US-Magazin "New Yorker" aus einem vertraulichen Bericht der US-Amee über die Gefangenenmisshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad zitiert. (APA)

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    Das Lager Guantanamo: Menschen in Käfighaltung

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