"Uns gibt es noch immer": 10 Jahre Depot

13. September 2004, 16:13
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Zwischenbilanz eines Raums für Diskussionen über Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft

Wien - Am 15. September 1994 fand die erste Veranstaltung im Diskursraum Depot statt - in einem Raum des späteren Museumsquartiers, das erst gebaut wurde. Zehn Jahre danach wird im 2001 bezogenen neuen Quartier in der Breitegasse hinter dem Museumsquartier gefeiert.

"Weg von Kunst hin zu Kultur und Kulturwissenschaft "

"1994 hat die damalige Bundeskuratorin und heutige Lentos-Leiterin Stella Rollig beschlossen, einen Raum aufzumachen, in dem über Kunst gesprochen wird. Das war damals etwas ganz Neues für Wien." Zunächst gab es drei bis vier Veranstaltungen im Monat. "Zunehmend wurde über den Tellerrand der Kunst hinausgeblickt", so Depot-Sprecher Zinggl, der nach dem Jubiläum seine Funktion an Geschäftsführerin Eva Brückner überträgt, da er seit dem Sommer für die Grünen im Nationalrat sitzt. "Als ich 1997 Bundeskurator wurde, habe ich genau diesen Aspekt aufgegriffen. Damals gab es schon wesentlich mehr Orte, wo über Kunst gesprochen wurde, und wir haben unsere Thematik weg von Kunst hin zu Kultur und Kulturwissenschaft verlagert."

Aus-quartier-t

1997 wurde der ursprüngliche 50 Quadratmeter-Raum (heute Stammsitz der "basis wien") verlassen und ein 350 Quadratmeter-Lokal im gleichen Museumsquartier-Hof bezogen, mit Bibliothek, Videothek, Veranstaltungsraum und Cafeteria. 2001 sei man jedoch von der Museumsquartier-Betreibergesellschaft "ausquartiert worden", und man zog in die Breitegasse. Zinggl: "Es ist schon merkwürdig, dass unsere ehemalige Räume heute noch praktisch leer stehen und die Subventionen nun über die Miete an Private gehen, während sie sonst ins Museumsquartier zurückfließen würden." Aber wesentlich sei vor allem eines: "Uns gibt es noch immer!"

Positives Echo beim Publikum entspricht nicht dem Echo bei Subventionen

Während die Veranstaltungen bei Publikum und Vortragenden auf sehr gutes Echo stoßen, befinde man sich jedoch seit Jahren in einem Überlebenskampf, der nur mit Selbstausbeutung der Mitarbeiter und Honorarverzicht für Referenten erfolgreich geführt werden könne. Seit 2002 gibt es immer wieder Subventionskürzungen und zeitweise Schließungen des Raumes. Anfang 2003 machten 45 Institutionen ein Solidaritätsprogramm, dank eines Einspringens der Stadt Wien ist seit September 2003 wieder geöffnet.

Bund steigt aus

2004 verfügt man über 150.000 Euro von der Stadt Wien sowie ein letztes Mal über 60.000 Euro vom Bund. Dieser habe jedoch bereits klargemacht, 2005 kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen. Brückner: "Wir hoffen auf eine weitere Förderung durch die Stadt Wien, denn wir wollen Kontinuität wahren. Das wesentliche sind die lebendigen Diskussionen hier."

Derzeit gibt es rund 150 Veranstaltungen im Jahr, in den kommenden Monaten gibt es einige neue Veranstaltungsreihen wie "Crossings" über das Ineinandergreifen verschiedener Kunstsparten, eine Reihe zu Wirtschaftskultur und einen Osteuropa-Schwerpunkt. (APA)

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