Übernahmespekulationen: Schluckt Tele2 die UTA?

21. September 2004, 10:19
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EU-Verordnung könnte Deal verhindern - Angeblich bindendes Angebot von Tele2 für UTA vorgelegt

Seit Monaten hält sich in der österreichischen Telekombranche hartnäckig das Gerücht, der zweitgrößte Anbieter UTA könnte durch die Nummer drei - Tele2 - übernommen werden. Dem Vernehmen nach soll Tele2 bereits ein bindendes Angebot abgegeben haben, was aber weder Tele2 noch UTA auf APA-Anfrage kommentieren wollten. Als Kaufpreis werden rund 225 Mio. Euro kolportiert. Laut einer Studie der EU-Wettbewerbsrechts-Expertin Doris Hildebrand könnte eine derartige Fusion aber ohnehin gegen die seit Mai 2004 geltende EU-Fusionskontrollverordnung verstoßen.

"Der Wettbewerb um den Rang zwei würde nämlich wegfallen"

Im Gegensatz zu früher zielt der Fokus der neuen Verordnung nun nicht mehr auf die marktbeherrschende Stellung eines Anbieters ab, sondern ob durch eine Fusion ein wirksamer Wettbewerb verhindert werden kann, so die Bundeswettbewerbsbehörde. Und das könnte laut Hildebrand beim Zusammengehen der Nummer zwei und drei am Festnetzmarkt eben der Fall sein. "Der Wettbewerb um den Rang zwei würde nämlich wegfallen", so die Juristin. Sie schätzt, dass die beiden Unternehmen auf einen gemeinsamen Festnetzanteil von 28 bis 33 Prozent kommen würden, Marktführer Telekom Austria hält bei rund 50 Prozent. Tele2 hat zwar mehr Festnetzkunden als die UTA, ist aber im Internetgeschäft und im Geschäftskundensegment nicht so stark wie die UTA.

Monate

Ein mögliches Verfahren - es wäre das erste seit dem Inkrafttreten der Verordnung - könnte nach Einschätzung von Hildebrand rund sieben Monate dauern, ob dafür Österreich oder die EU zuständig sei, hänge von der Höhe der Unternehmensbeteiligungen ab.

Knapp

Die UTA-Eigentümer - die Raiffeisen-Gruppe und die in der VTÖB zusammengeschlossenen österreichischen Landesenergieversorger - haben vor kurzem bekannt gegeben, die UTA mit der Übernahme von 85 Mio. Euro an Verbindlichkeiten "weitestgehend teilentschulden" zu wollen. Die Verbindlichkeiten würden sich nach Abschluss der Maßnahmen Ende September nur mehr auf einen "knapp zweistelligen Millionen-Euro-Betrag" belaufen, die Eigenkapitalquote der UTA werde sich auf mehr als 30 Prozent erhöhen, hieß es aus dem Unternehmen. Die UTA hat im ersten Halbjahr 2004 das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 0,2 auf 5,5 Mio. Euro gesteigert, der Umsatz erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 115,1 Mio. Euro.

Acht Eigentümer

Die VTÖB (Vereinigte Telekom Österreich Beteiligungs GmbH) befindet sich im Eigentum der acht österreichischen Energieversorger Bewag, EVN, Kelag, Energie AG, Steweag, Tiwag, VKW und WStW. 25 Prozent plus eine Aktie der UTA sind im Besitz der ECOT Internet-Holding, einer Gesellschaft von RZB, Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, RLB Steiermark und UNIQA.

Tele2 Österreich gehört zum schwedischen Tele2-Konzern und verfügt in Österreich - im Gegensatz zur UTA - auch über eine Handylizenz. (APA)

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