Lautlos und erschütterungsfrei

20. September 2004, 12:35
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Supraleitend gelagerter Schwebeschlitten in Dresden entwickelt

Dresden - Wissenschaftler des Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) haben im Rahmen des Projekts "SupraTrans" einen supraleitend gelagerten Schwebeschlitten entwickelt. Mit diesem Projekt soll die Technik supraleitender Magnetlager für großtechnische Anwendungen in Transportsystemen zugänglich gemacht werden.

Der SupraTrans kommt ganz ohne elektrische Steuerung aus. Zwar schwebt er auf einem Magnetkissen, dieses Kissen hält den Zug aber derart fest, dass ihn praktisch nichts aus der Bahn werfen kann. Grundlage für diese Technik ist ein neuer Supraleiter, eine spezielle Keramik aus Yttrium, Barium und Kupferoxid. Diese Keramik wird erst dann magnetisch, wenn sie auf minus 200 Grad Celsius abkühlt wird. Der Trick dabei ist laut IFW, dass der Supraleiter erst dann abkühlt wird, wenn er sich dicht über der Magnetschiene befindet. Dadurch wird das Magnetfeld buchstäglich eingefroren und der Zug hält stabil seine Position. Machbar ist dieser Trick laut SupraTrans-Projektleiter Oliver de Haas erst seit kurzem.

Demonstrationsobjekt

Der nun fertig gestellte Demonstrator soll den Funktionsnachweis für eine Magnetbahn erbringen, deren Trag- und Führungssystem auf Supraleitern basiert. Der Einsitzer schwebt auf einem Fahrweg von sieben Metern und kann eine Last von bis zu 350 kg befördern. Das Fahrzeug enthält alle wesentlichen technischen Komponenten eines funktionsfähigen Verkehrssystems wie Antrieb, Steuerung und Sicherheitskomponenten.

"Für hohe Geschwindigkeiten ist die Technik zwar nicht geeignet, aber für den Einsatz in Stadt- und Regionalbahnen wäre sie ideal. Sie ist leise, komfortabel und es gibt keine Erschütterungen, weil es keine bewegten Teile und damit keinen Verschleiß gibt", erklärt de Haas. Wann der erste SupraTrans lautlos und elegant durch die Landschaft schweben wird, ist derzeit aber noch nicht absehbar. "Die Marktreife für kleine innerbetriebliche Anwendungen sehe ich in drei bis vier Jahren. Für große Systeme nicht vor zehn Jahren", so de Haas. Präsentiert wird der Schwebeschlitten auf der Internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik InnoTrans vom 21. bis 24. September in Berlin. (pte)

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