"Windows-Dominanz hat der Industrie geschadet"

26. September 2004, 17:05
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Novell unterstreicht auf seiner europäischen Hausmesse Brainshare die Wichtigkeit von Alternativen – Starkes Interesse aus dem öffentlichen Sektor an Linux

Im Rahmen der seit Montag in Barcelona stattfindenden Brainshare Europe, der europäischen Ausgabe der Novell-Hausmesse, hat die Firma erneut die Bedeutung von Linux und Open Source herausgestrichen. Die Martkdominanz von Windows habe dem ganzen IT-Business extrem geschadet, so CTO Alan Nugent im Rahmen einer Pressekonferenz.

Alternativen schaffen

Firmenchef Jack Messman unterstrich aber auch, dass man sich bewusst sei, dass man Windows kurzfristig nicht vollkommen obsolet machen könne, es gehe viel mehr darum Alternativen zu schaffen, die Wahlmöglichkeit sei das Entscheidende. Selbst werde man Client-seitig natürlich - neben der Hauptausrichtung Linux - auch weiter Windows unterstützen, 94 Prozent des Marktes zu ignorieren sei einfach nicht möglich.

Formeln

Trotzdem setzt die Firma aber immer deutlicher voll und ganz auf Linux, im Rahmen seiner Keynote zur Brainshare hatte es Messman auf die Formel Novell = Linux + Identity � also Identitätsmanagment - gebracht. Auch wenn die Firmenführung nicht müde wird zu betonen, dass Netware neben Linux ebenfalls weitergeführt wird, bemüht sich Novell seine Kunden von den Vorteilen des Open Source-Betriebessystems zu überzeugen. Einen Zwang zum Umstieg soll es aber nicht geben, dies wäre kontraproduktiv, schließlich hält man auch hier die Wahlmöglichkeit hoch.

Nachfrage

Das Interesse an Linux sei bei den eigenen KundInnen jedenfalls sehr stark, von 1.700 Partnerfirmen im EMEA-Raum würden sich bereits 685 auf Linux konzentrieren, so EMEA-Chef Richard Seibt. Allgemein erlebe das Interesse an Linux und Novell momentan einen Boom, so Seibt weiter, dies lasse sich auch daran ablesen, dass die Brainshare Europe 33 Prozent größer als noch im Vorjahr sei, die Anzahl der anwesenden Partnerfirmen habe sich sogar verdoppelt.

Öffentlich

Besonders starkes Interesse gebe es auch aus dem öffentlichen Sektor, neben den schon bekannten Migrationen gebe es zahlreiche Städte und Kommunen, die momentan eine Migration prüfen und entsprechende Tests durchführen. Dabei sei es aber bei weitem nicht nur so, dass Linux als Druckmittel in Verhandlungen mit Microsoft verwendet werde, die Entscheidung falle immer öfter aus architekturellen Gründen für Linux aus.

Umstieg

In der eigenen Firma stehe die vollständige Migration auf Linux und OpenOffice.org vor dem Abschluss, Ende des Jahres soll es dann so weit sein. Das bei der hausinternen Migration gesammelte Know How soll den KundInnen der Firma zu gute kommen, einerseits können so viele Probleme beim Betriebssystemwechsel schon im Vorhinein verhindert werden, andererseits seien daraus Migrations-Tools entstanden, die den Umstieg erleichtern. Auf der Messe selbst kommen übrigens keine Windows-Rechner mehr zum Einsatz, statt dessen gibt es einen Mix aus SUSE Linux / KDE und dem kommenden Novell Linux Desktop, der mit einem angepassten GNOME zu sehen ist.

Offenheit

Ein Zeichen für die Änderung der Unternehmenskultur ist wohl auch die Ankündigung einer offenen Beta für Novells Open Enterprise Server (OES), ab Mitte November sollen Interessierte sich daran beteiligen können. Der OES beinhaltet Novell Netware und SUSE Linux Enterprise Server 9, sowie die eigenen Management-Tools und Technologien wie iFolder, iPrint und eDirectory.

Bedeutung

Eine zentrale Rolle in Novells Zukunftsplänen nimmt auch der oben bereits erwähnte Bereich des Identitätsmanagment ein, die Firma siehts sich mit seinen eigenen Lösungen deutlich vor der Konkurrenz positioniert. Das Thema "Identity" sei in seiner Bedeutung für das Unternehmen dem Bereich Linux absolut ebenbürtig, langfristig gehe man sogar davon, aus mit dieser Sparte mehr Geld als mit Produkten rund um das Open Source Betriebssystem zu verdienen, so CEO Jack Messman. (Andreas Proschofsky aus Barcelona)

  • Ausschnitt aus der Präsentation zum Linux-Einsatz im öffentlichen Sektor von Richard Seibt
    foto: apo

    Ausschnitt aus der Präsentation zum Linux-Einsatz im öffentlichen Sektor von Richard Seibt

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