Fremdwährungskredite weiter sehr beliebt

20. September 2004, 12:39
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OeNB-Direktor Zöllner: "Ganze Welt ist zinsengetrieben" - Franken-Kredite trotz Zinserhöhung auf Rekordhoch - Yen-Kredite verlieren an Bedeutung

Wien - Fremdwährungskredite erfreuen sich bei den Österreichern weiterhin großer Beliebtheit. Im ersten Halbjahr 2004 wurden wechselkursbereinigt um 5 Prozent oder 3,4 Mrd. Euro mehr Kredite - hauptsächlich in Franken, Yen und Dollar - aufgenommen, als vor einem Jahr. Ohne Wechselkurseffekte macht der Anstieg sogar 8 Prozent aus, so der Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Peter Zöllner, am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Zum Halbjahr 2003 betrug der Anstieg 4 Prozent.

Risikoärmere Kreditnehmer

"Diese Steigerung überrascht nicht, die ganze Welt ist zinsengetrieben"", so der OeNB-Direktor. Zöllner weist aber darauf hin, dass Fremdwährungskredite mit hohem Wechselkursrisiko deutlich zurückgegangen sind und macht dafür die "kluge Entscheidung" der Kreditnehmer verantwortlich. Diese seien trotz des Zinsvorteils beim Yen-Kredit nicht mehr bereit, ein hohes Wechselkursrisiko einzugehen. "Das Bild bei Fremdwährungskrediten ist heute risikoärmer als vor zwei Jahren", so Zöllner.

Durchschnittskredit: 141.000 Euro

Mit rund 47 Mrd. Euro machten die Fremdwährungskredite per Ende Juni 2004 bereits 20 Prozent aller Ausleihungen an so genannte Nichtbanken - das sind private Haushalte, nicht-finanzielle Unternehmen, private Organisationen ohne Erwerbszweck und sonstige Nichtbanken - aus. Die meisten dieser Kredite liegen zwischen 100.000 und 500.000 Euro, der Durchschnitt beträgt 141.000 Euro - eine realistische Größe für Häuslbauer, wie Zöllner meinte.

Die Nachfrage nach Krediten in Schweizer Franken hat 2004 weiter deutlich zugenommen und erreichte erstmals ein Rekordhoch von über 40 Mrd. Euro. Das entspricht seit dem Jahresbeginn einem Plus von 11 Prozent. Zu diesem Anstieg kam es, obwohl sich der Zinsvorteil gegenüber Euro-Krediten nach einer Zinserhöhung der Schweizer Notenbank im Frühsommer auf unter 2 Prozentpunkte vermindert hat, eine Neuverschuldung also nicht mehr so vorteilhaft war.

Yen verliert weiter an Bedeutung

Die Yen-Kredite verloren dagegen weiter an Bedeutung und sanken auf 3,4 Mrd. Euro gegenüber einem Höchststand von 18,6 Mrd. Euro im März 2002. Seit Jahresbeginn 2004 bedeutet dies ein Minus von 38 Prozent. "Die Konvertierungswelle der Yen-Ausleihungen in Franken dürfte nunmehr weitgehend abgeschlossen sein", so Zöllner.

Mit 58 Prozent nehmen die privaten Haushalte die meisten Franken-Kredite auf, 34 Prozent werden von Unternehmen nachgefragt. Sieben Prozent entfallen auf den Staat und Finanzintermediäre und ein Prozent auf private Organisationen ohne Erwerbszweck.

62 Prozent der Franken-Kredite fließen in Wohnraum

Die Franken-Kredite werden von den privaten Haushalten vorwiegend zur Beschaffung und Erhaltung von Wohnraum verwendet. Der Anteil beträgt 62 Prozent. 23 Prozent gehen in den Konsum und 16 Prozent dienen sonstigen Zwecken. (APA)

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