Nordkorea begründet Explosion mit Sprengung eines Berges

17. September 2004, 10:48
12 Postings

Für ein Wasserkraftprojekt - Außenminister Paek reagiert auf britische Anfrage - Japan optimistisch zu Atomgesprächen

Seoul - Nordkorea hat die gewaltige Explosion vom Donnerstag mit der Sprengung eines Berges begründet. Außenminister Paek Nam Sun sagte einem britischen Diplomaten in Pjöngjang, die Detonation stünde in Zusammenhang mit einem Wasserkraftprojekt. Er trat damit Spekulationen entgegen, bei der Explosion in der Provinz Ryanggang an der Grenze zu China könne sich um einen Atomwaffentest gehandelt haben. Japans Außenministerin Yoriko Kawaguchi äußerte sich indes optimistisch, dass neue Atomgespräche mit Nordkorea wie geplant vor Ende September stattfinden können.

Der Staatssekretär im britischen Außenministerium, Bill Rammell, hatte Paek während eines Besuchs in der nordkoreanischen Hauptstadt um eine Erklärung für die Explosion gebeten. Im Rundfunksender BBC berichtete Rammell am Montag, Paek habe ihm gesagt, es habe sich weder um einen Unfall noch um eine atomare Explosion gehandelt, sondern um die absichtliche Sprengung eines Berges als Teil eines Wasserkraftprojekts. Auch die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, bei der Explosion habe es sich dem nordkoreanischen Außenministerium zufolge um Vorbereitungen für den Bau eines Kraftwerks gehandelt.

Diplomaten dürfen zum Explosionsort

Westliche Diplomaten dürfen in Nordkorea den Ort der Explosion besuchen. "Ich habe den stellvertretenden Außenminister (Nordkoreas) gefragt, ob es unserem Botschafter und anderen Botschaftern erlaubt ist, den Ort der Explosion zu besichtigen. Ich bin sehr erfreut, dass Nordkorea zugestimmt hat," sagte am Montag der britische Staatssekretär im Außenministerium, Bill Rammell, auf seinem Rückflug aus Pjöngjang zu mitreisenden Reportern. Der britische Botschafter in Nordkorea, David Slinn, werde den Schauplatz der Großexplosion in der entlegenen Region Ryanggang schon am Dienstag besuchen, hieß es weiter.

Rauchpilz

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte am Sonntag gemeldet, in der Provinz Yanggang sei am vergangenen Donnerstag ein Rauchpilz mit einem Durchmesser von nahezu vier Kilometern aufgestiegen. Der südkoreanische Wiedervereinigungsminister Chung Dong Young sagte am Montag, die Rauchwolke sei auf Satellitenbildern zu sehen. Allerdings sei es zum Zeitpunkt der Aufnahmen bewölkt gewesen, so dass die Ursache kaum auszumachen sei. "Wir werden genau prüfen, ob in der Gegend ein Wasserkraftwerk gebaut wird", sagte Chen vor dem Parlament in Seoul.

Am 7. Mai hatte die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtet, dass in Ryanggang der Bau eines Wasserkraftwerks begonnen habe. Das Werk soll im Verwaltungskreis Samsu entstehen, das allerdings nach südkoreanischen Berichten 75 Kilometer von dem Bezirk Kimhyeongjik entfernt liegt, wo der Berg weg gesprengt worden sein soll.

Sowohl die USA als auch Südkorea haben bereits erklärt, sie hielten es für unwahrscheinlich, dass Nordkorea am Donnerstag - dem 56. Jahrestag der Staatsgründung - einen Atomwaffentest durchgeführt habe. Die Nordkoreaner "wissen, dass das kein vernünftiger Schritt wäre", sagte US-Außenminister Colin Powell am Sonntag im Fernsehsender Fox News.

Die Explosion ereignete sich zu einer Zeit, in der Diplomaten versuchen, Nordkorea zur Wiederaufnahme der Gespräche über sein Atomprogramm zu bewegen. Es gab weiterhin keine Hinweise, ob Pjöngjang an der neuen Verhandlungsrunde teilnehmen will. In amtlichen Berichten von dem Besuch des chinesischen Spitzenpolitikers Li Changchun, der am Montag von Pjöngjang nach Peking zurückkehrte, wurde die Atomfrage mit keinem Wort erwähnt. Dabei sagte Kawaguchi, Li Changchun habe in Pjöngjang "Anstrengungen unternommen", Nordkorea zur Teilnahme zu bewegen.

An den bisher ergebnislos gebliebenen Verhandlungen nehmen neben Nordkorea und den USA auch China, Japan, Südkorea und Russland teil. Die USA werfen Nordkorea vor, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu verfolgen. Die USA fordern von Nordkorea eine vollständige Offenlegung aller nuklearen Aktivitäten und einen nachprüfbaren Verzicht auf das Atomprogramm. Pjöngjang verlangt im Gegenzug Energielieferungen sowie eine Aufhebung der amerikanischen Sanktionen. Außerdem will Nordkorea von der Liste der Länder gestrichen werden, die nach Ansicht der US-Regierung den Terrorismus unterstützen. (APA/AP/dpa/Reuters)

Share if you care.