Symbolische Geste Bushs an Russen

13. September 2004, 17:34
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Erstmals seit 1975 besucht ein US-Präsident eine russische Botschaft - Kreml beschwört Schulterschluss mit den USA

Moskau - Als erster US-Präsident seit fast dreißig Jahren hat George W. Bush am Sonntag eine russische Botschaft besucht, um den Russen sein Mitgefühl nach dem Geiseldrama von Beslan auszudrücken. Bei der vom russischen Fernsehen übertragenen symbolischen Aktion in der russischen Vertretung von Washington äußerte Bush "von Herzen das Mitgefühl meines Landes mit den Opfern von Beslan und ihren Familien".

Zugleich betonte er, der Anti-Terrorkampf beider Länder schweiße die beiden einstigen Feinde des Kalten Krieges nur noch enger zusammen. "Um den Terrorismus zu besiegen, stehen wir Seite an Seite, um diese Welt friedlicher zu machen."

Kondolenzbuch

In Begleitung seiner Frau Laura, US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und dem russischen Botschafter Juri Uschakow trug sich Bush in ein Kondolenzbuch ein. Beim Geiseldrama an einer Schule der nordossetischen Stadt Beslan kamen vor gut einer Woche nach amtlichen russischen Angaben 339 Menschen ums Leben, etwa die Hälfte davon Kinder.

Es war der erste Besuch eines US-Präsidenten in einer sowjetischen oder russischen Botschaft seit 1975. Damals hatte sich Gerald Ford mit Leonid Breschnew in der sowjetischen Botschaft von Helsinki getroffen.

Die russische Regierung sieht sich unterdessen von Washington in ihrer harten Haltung gegen die tschetschenischen Rebellen bestätigt. Bei der Bekämpfung des Terrors sprächen beide Seiten dieselbe Sprache, sagte Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Sonntag im russischen Fernsehsender NTW.

Die amerikanische Regierung zeige mehr Verständnis für Russland als europäische Politiker, sagte Iwanow, der von zwei kürzlichen Treffen mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld berichtete. Rumsfeld hatte ebenso wie US-Außenminister Colin Powell der russischen Regierung Unterstützung im Anti-Terror-Kampf angeboten. Zuvor hatte Russland dem Westen wegen Forderungen nach Verhandlungen mit tschetschenischen Separatistenführern Doppelmoral vorgeworfen.

Iwanow bekräftigte das Recht Russlands auf Präventivschläge außerhalb seiner Grenzen: Die Regierung werde gegebenenfalls Sondereinheiten einsetzen oder ferngelenkte Raketen, aber keine Atomwaffen. (APA/AP)

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