IAEO besorgt über Atomprogramm in Südkorea

15. September 2004, 10:11
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Urananreicherung laut Diplomaten bis nahe der Waffenfähigkeit - Sperrvertrag verletzt - Südkorea spricht von "ehrgeizigen Wissenschaftern"

Wien - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) hat sich besorgt über Südkoreas Uran- und Plutonium-Forschung geäußert.

Südkorea sei seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen, die Anreicherung von Uran und die Experimente mit Plutonium der IAEO zu melden, sagte IAEO-Chef Mohamed ElBaradei am Montag in einer Rede vor dem Gouveneursrat der Behörde. Damit hat sich das Land offenbar nicht an den Atomwaffensperrvertrag gehalten, der eine Meldung notwendig gemacht hätte.

Sicherheitsrat könnte eingeschaltet werden

Südkoreas Versäumnis steht neben dem Atomstreit mit dem Iran auf der Tagesordnung einer mehrtägigen Sitzung der IAEO, die am Montag in Wien begann. Diplomaten sagten, Südkoreas möglicher Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag könnte zur Folge haben, dass die IAEO den UN-Sicherheitsrat einschalte.

Die Regierung in Seoul hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, kleinere Mengen Uran so weit angereichert zu haben, dass es fast die zur Herstellung von Atomwaffen erforderliche Qualität erreicht habe. Zudem habe das Land kurz darauf mit dem ebenfalls zum Atomwaffenbau geeigneten Plutonium experimentiert.

"Pure Forschungszwecke"

Südkoreas Botschafter bei den Vereinten Nationen, Cho Chang Beom, sagte, sein Land sichere der IAEO volle Zusammenarbeit und Offenheit zu. "Die Experimente sind von einer kleinen Gruppe ehrgeiziger Wissenschafter ohne das Wissen der Regierung durchgeführt worden", sagte Cho am Montag vor Journalisten in Wien. Es handle sich um "sehr unglückliche" aber "vereinzelte Fälle", die "puren Forschungszwecken" gedient hätten.

Chos Äußerung stand im Gegensatz zur Ansicht von Diplomaten, die vermuteten, dass Südkorea zu seiner Atomforschung weiter Informationen zurückhalte. (Reuters)

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