Ein Hauch von Luxus weht in Hütteldorf

17. September 2004, 13:52
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Rapid vermochte beim knappen und deutlichen 2:1 gegen die Admira zu überzeugen

Wien - Sollte Josef Hickersberger irgendwann wieder im arabische Raum landen - und im Fußball ist nichts auszuschließen - wird er sich entschuldigen, entschuldigen und noch einmal entschuldigen. "Bei allen arabischen Schiedsrichtern, über die ich sieben Jahre lang geflucht habe. Ich müsste Abbitte leisten."

Es war am Samstag und in der 83. Minute, Rapid führte gegen die Admira 2:1, als der ungefähr 100 Kilo schwere Janos Matyus, privat eine durchaus netter Mensch, gen Tomas Dosek rutschte und zwar im gestreckten Galopp. Dosek hat die Attacke überlebt, sogar das Bein ist gänzlich erhalten geblieben, Schiedsrichter Konrad Plautz zeigte Matyus die gelbe Karte. Was Hickersberger erbost hat, schließlich sei auch ein Mordversuch strafbar, er diskutierte mit Plautz, der meinte ungefähr, es sei ja nichts passiert, worauf Hickersberger ziemlich laut ("der vierte Schiedsrichter war hinter mir her wie der Teufel hinter der Seele") und auf die Tribüne verwiesen wurde. Das hat eine saftige Geldstrafe zu Folge. "Finanziere ich halt die Bundesliga."

"Wir sind die Admira" sagte deren Trainer Bernd Krauss später und meinte "sind nur die Admira". Mit dem 1:2 sei man bestens bedient gewesen, "da lagen spielerische Welten dazwischen. Wir müssen uns an anderen orientieren."

Rapid machte diesmal auf Großklub. Die Teamspieler Andreas Ivanschitz und Martin Hiden zierten zwecks Regeneration die Bank, das grenzte an Luxus, der überragende Spielmacher Steffen Hofmann wurde zudem nach einer Stunde ausgewechselt, um geschont zu werden, gesund zu blieben. Statt Ivanschitz geigte Sebastian Martinez, Hickersberger sprach von der "spielerisch besten Saisonleistung", er muss es wissen, schließlich hat er alle acht Partien mitbekommen. Hofmann: "Wir hätten zur Pause 3:0, 4:0, 5:0 oder 6:0 führen müssen." Präsident Rudolf Edlinger kam direkt aus dem Urlaub ins Hanappi-Stadion, was der Erholung keinen Abbruch tat: "Im Gegenteil, meine Ferien wurden durch das Spiel verlängert."

Eine Art Großklub (ein Acht-Millionen-Euro-Budget ist international halt winzig) hat zum Beispiel drei starke Tormänner, Jürgen Macho, Helge Payer und Ladi Maier. Logischerweise müssen zwei unzufrieden sein, Macho war der dritte. "Kein hausgemachtes Problem", wischte Hickersberger Bedenken weg und meinte, "Payer war nur zu 80 Prozent fit". Der allerdings behauptete, man könne ruhig 20 Prozent hinzufügen. Er werde um die Nummer eins kämpfen. "Es wäre ja blöd, wenn alles im Leben leicht geht."

Hickersberger weilte gestern in Portugal, schaute sich am Abend das Ligaspiel zwischen Setubal und Sporting Lissabon an. Sporting ist am Donnerstag Gegner im UEFA-Cup. Überhaupt werden die nächsten zwei Wochen den Weg weisen, in der Meisterschaft geht's zweimal gegen den GAK. "In Lissabon sind wir Außenseiter." Das Gerede vom Großklub samt Luxus sei deshalb unangebracht. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 13. September 2004, Christian Hackl)

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    Schiedsrichter Konrad Plautz (li) verträgt keine Kritik. Rapid-Trainer Josef Hickersberger (re) musste auf der Tribüne Platz nehmen.

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