Deutsche Bank interessiert an gezielten Übernahmen

21. September 2004, 14:32
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Vorstands­sprecher Ackermann: "Wir beobachten die Szene und sind konzeptionell vorbereitet"

Frankfurt - Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Spekulationen über eine baldige Fusion seiner Bank mit einer europäischen Großbank zurückgewiesen. "Es wird noch lange dauern", sagte Ackermann in seinem ersten Interview seit dem Mannesmann-Prozess.

Die Entwicklung der Bankmärkte in Europa laufe allerdings auf grenzüberschreitende Zusammenschlüsse hinaus: Vor allem zum Ausbau des Privatkundengeschäfts sei die Deutsche Bank am Kauf anderer Geldinstitute interessiert: "Im Geschäft mit Privatkunden und in der Vermögensverwaltung können gezielte Akquisitionen eine sinnvolle Ergänzung darstellen."

An Geschwätzigkeit gescheitert

Dass Fusionen und Übernahmen unter deutschen Großbanken in der Vergangenheit gescheitert sind, liegt laut Ackermann an der zu großen "Geschwätzigkeit" der Beteiligten.

"Es ist bedauerlich, aber wahr: So manche Transaktion in Deutschland ist an frühen Veröffentlichungen gescheitert. Künftig muss Geheimhaltung bei Verhandlungen gewährleistet sein." Ausdrücklich bezog sich Ackermann dabei auch auf die gescheiterte Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank.

Fusionsgespräche mit Citigroup

Indirekt bestätigte er zugleich, dass Fusionsgespräche mit der amerikanischen Citigroup stattgefunden haben, die jedoch gescheitert seien, als klar war, dass der Deal auf eine Übernahme der Deutschen Bank durch die Citigroup hinausgelaufen wäre: "Es kommt für uns nicht in Frage, dass wir übernommen werden. Daher ist das Zusammengehen mit einem sehr großen Partner überhaupt keine Option."

Ackermann bekannte sich in dem Gespräch zur Bedeutung heimischer Banken für die deutsche Volkswirtschaft: "Ich glaube, eine Übernahme einer deutschen Bank durch eine ausländische Bank wäre für Deutschland keine gute Lösung. Wir brauchen starke Banken."

Es spiele für ein Land eine erhebliche Rolle, ob die operativen Entscheidungen in großen Unternehmen fremdbestimmt seien oder nicht. Der Vorstandssprecher wies Gerüchte zurück, er habe den Sitz der Deutschen Bank nach Großbritannien verlegen wollen. (APA/dpa)

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    foto: epa/federico gambarini
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