Pakistan: Proteste gegen "US-Kreuzzug gegen Moslems"

16. September 2004, 10:36
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Armee geht in Waziristan gegen mutmaßliche Terroristen vor

Islamabad - Zum dritten Jahrestag der Anschläge vom 11. September ist es in allen großen Städten Pakistans zu Demonstrationen gegen die US-Angriffe im Irak und in Afghanistan gekommen. Aufgerufen zu den Protesten am Samstag hatte das mächtige islamistische Bündnis MMA, ein Zusammenschluss von sechs Oppositionsparteien. Bei der Demonstration in Islamabad verurteilte der prominente MMA-Funktionär Maulana Fazlur Rehman den Anti-Terror-Krieg der US-Regierung als "Kreuzzug gegen die Humanität und besonders gegen die Moslems".

Gleichzeitig gingen Kämpfe der Sicherheitskräfte gegen mutmaßliche Terroristen in der westpakistanischen Region Waziristan weiter. Nach Augenzeugenberichten sollen dabei am Sonntag auch 26 Soldaten ums Leben gekommen sein. Ein Militärsprecher gab Verluste zu, nannte die Zahlen aber überhöht. Seit Beginn der Regierungsoffensive am Donnerstag sind bei den Kämpfen bereits mindestens 70 Menschen getötet worden.

Wichtiger Verbündeter

Pakistan gilt als einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg. Der als Taliban-freundlich geltende Rehman kritisierte, der pakistanische Präsident, General Pervez Musharraf, beuge sich dem "Diktat Washingtons". Demonstranten verbrannten US-Flaggen und eine Puppe von US-Präsident George W. Bush. Sie trugen Spruchbänder mit Aufschriften wie "Bush ist der größte Terrorist" und "Nieder mit General Musharraf". Vor den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte Pakistan die Taliban in Afghanistan unterstützt.

Angaben über die Gesamtzahl der Demonstranten lagen nicht vor. In allen größeren Städten des moslemischen Landes sollen aber jeweils hunderte Menschen auf die Straßen gegangen sein. Protestiert wurde auch gegen die pakistanischen Anti-Terror-Operationen im halbautonomen Stammesgebiet an der afghanischen Grenze. Rehman sagte, Musharraf führe Pakistan in einen Bürgerkrieg. Der Präsident betonte am Samstag, Pakistans Kampf gegen den Terrorismus sei erfolgreich und werde weitergeführt. "Überall werden Terroristen festgenommen." (APA/dpa)

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