Blut-Waschmaschine nach neuem Prinzip

13. September 2004, 10:30
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Die außerhalb des Körpers befindliche Blutmenge sol damit um mehr als die Hälfte reduziert werden

Stuttgart - Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB arbeiten gemeinsam mit ihren Kollegen von der Universität Stuttgart und dem Unternehmen Gambro Dialysatoren an der Entwicklung von neuartigen Hohlfasermembranen für die Blutreinigung. Dieses System soll Giftstoffe gezielt und schnell aus dem lebenswichtigen Saft fischen, ohne das Blutbild zu verändern. Jede zweite Blutvergiftung verläuft nämlich tödlich.

"Die Besonderheit des Verfahrens ist, dass die Abtrennung der Blutzellen und die Reinigung des Plasmas in einem Verfahrensschritt erfolgen", so IGB-Projektleiter Michael Müller. "Damit ist die Apherese, die Blutreinigung, leichter handzuhaben. Durch den geringeren apparativen Aufwand lassen sich die Kosten drastisch reduzieren." Durch das neue Verfahren kann die außerhalb des Körpers befindliche Blutmenge um mehr als die Hälfte reduziert werden. Außerdem aktiviert das Material der Hohlfasern nicht die Blutzellen, es ruft also keine Blutgerinnung hervor. Die Behandlungsvor- und -nachbereitung sind bei diesem Therapiesystem auch kürzer und einfacher.

Das Verfahren läuft so, dass das Blut durch die porösen Hohlfasern strömt. Nur das Plasma dringt durch die feinen Poren. Die empfindlichen Blutzellen sind jedoch zu groß und bleiben im Inneren. Dadurch wird das Blut automatisch in Zellen und Plasma getrennt. Spezielle Fängermoleküle, die lediglich an die Oberflächen der feinen Poren und der Außenwand der Faser angebunden sind, fischen die Giftstoffe aus dem Plasma. Am Ende der Faser wird das entgiftete Plasma wieder mit den Blutzellen aus dem für sie verträglichen Hauptkanal zusammengeführt. Erste Laborversuche hat das Gerät bereits erfolgreich bestanden. Klinische Prüfungen sollen folgen. In etwa drei bis fünf Jahren soll das Gerät dann im Einsatz stehen. (pte)

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