Megabit im Reisegepäck

19. September 2004, 20:05
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Download großer Datenmengen bei schneller Fortbewegung gleichzeitig möglich

Wer kennt dieses Problem nicht: Die Mobilverbindung via Handy oder Laptop funktioniert ganz wunderbar - so lange, bis man in einem Auto oder Zug sitzt und die Rate, mit der Daten pro Zeiteinheit übertragen werden, abnimmt. Bei der Sprachkommunikation können Fehlerraten teilweise noch ausgeglichen werden.

Nachdem mit kabellosen Technologien - Stichworte: W-LAN und UMTS - auch die Datenvolumina steigen, die zwischen mobilen Geräten übertragen werden, wird sich das Problem aber verschärfen: Denn sobald sich der Empfänger mit hoher Geschwindigkeit bewegt, wird die Übermittlung großer Dateien endlos dauern oder nur mit einer hohen Fehlerrate möglich sein. Dieses Problem hat Thomas Zemen vom Wiener Forschungszentrum für Telekommunikation zum Ausgangspunkt für ein Forschungsprojekt gemacht. Nun präsentiert er eine Lösung, bei der der Kanal, über den die Information übertragen wird, anders berechnet wird als bei derzeit gebräuchlichen Systemen.

Neuer Ansatz

Um den neuen Ansatz zu verstehen, müssen zuerst die Rahmenbedingungen mobiler Datenübertragung klar sein, erklärt Zemen. Bei einem Anruf via Handy breiten sich die elektromagnetischen Wellen von der Sendeantenne in alle Richtungen hin gleichförmig aus. An Gebäuden, Bergen oder Bäumen werden sie teils gestreut, teils reflektiert und erreichen somit über unterschiedliche Pfade die Empfangsantenne. Dieses Phänomen würde auch bei anderen Geräten sichtbar, so Zemen und nennt als Beispiel das Fernsehgerät. Dort sorgen Streuungen und Reflexionen für jene Geisterbilder, die beim Empfang mittels Zimmerantenne auftreten.

Während die doppelten Bilder beim Fernsehen stören, kann die Überlappung im Mobilfunk zu einer Verbesserung der Übertragungsqualität genützt werden. Denn je mehr Ausbreitungspfade der Empfänger nützen kann, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Qualität aller Wege zur gleichen Zeit schlecht ist.

Der Nachrichtentechniker Thomas Zemen präsentierte Ende vergangener Woche ein Verfahren, mit dem die örtlich und zeitlich veränderlichen Ausbreitungsverhältnisse eines Mobilfunkkanals am Empfänger mit geringem Aufwand exakt gemessen werden können. Damit könnte er ein Mittel gegen das Abfallen der Menge an übertragbaren Daten bei steigender Geschwindigkeit gefunden haben. Dieses Phänomen entstand bisher dadurch, dass sich die Kanäle, in denen sich das Signal ausbreitet, zu rasch verändern, um sie entsprechend messen zu können.

Transportkanal

Der Schlüssel zum nun erzielten Erfolg liegt in der Berechnungsart des Kanals, über den das Signal transportiert wird. Während bisher Methoden eingesetzt werden, die mit fixierten kleinen Zeiteinheiten und einer standardisierten Übertragungsrate arbeiten, wird der Kanal mit Zemens Berechnungsweise über längere Zeiträume bestimmt. Dadurch könne er "um einige Potenzen genauer berechnet werden als auf herkömmliche Weise", zeigt sich der Forscher überzeugt.

Der Handy- oder Laptopbesitzer würde von dieser Entwicklung - sofern sie bei einem Partner des FTW wie der Mobilkom Austria oder Siemens tatsächlich eingesetzt wird - vor allem durch eines profitieren: die geringeren Fehlerraten bei der mobilen Datenübertragung. (ez/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 9. 2004)

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