Alpine Gletscher unter der Decke

19. September 2004, 20:05
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Klimaveränderung gefährdet auch Skigebiete

alpS, das Zentrum für Naturgefahren Management, sucht nach innovativen Gletscherschutzverfahren. Auslöser für das Forschungsprojekt ist der Hitzesommer des Jahres 2003 mit seinen gravierenden Folgen auf die alpinen Gletscher. Die Ausgangslage: In allen Höhenstufen kam es zu starker Abschmelzung, ungewöhnlich viele Gletscherspalten wurden freigelegt, Moränenbereiche wurden instabil. Mit den Temperaturen stiegen Naturgefahrenpotenzial und Risiken für Bergsportler. Ein weiterer Aspekt ist die Gefährdung der Gletscherskigebiete.

Die wirtschaftliche Dimension der Gletscherveränderung wurde durch eine Bedarfsanalyse bei Behörden, Skigebieten, Liftbetreibern und anderen Tourismusunternehmen bestätigt: Es herrscht Besorgnis, dass genutzte Gletscherflächen und mit ihnen die ökonomischen Grundlagen einfach verschwinden. Auf den daraus resultierenden Strukturwandel im Wirtschaftsraum Alpen ist man noch nicht vorbereitet.

Optimierung

Am Projekt "Entwicklung/ Optimierung innovativer Gletscherschutzverfahren" beteiligen sich u. a. die Institute für Meteorologie und Geophysik, für Limnologie und Zoologie sowie für Mikrobiologie der Universität Innsbruck sowie sieben Unternehmenspartner. Innerhalb von zwei Jahren sollen Maßnahmen zur Verringerung des Abschmelzens von Schnee und Eis evaluiert und technisch optimiert werden. Auf dem Stubaier Gletscher wurden diesen Sommer Versuchsfelder eingerichtet, um verschiedene Methoden, wie beispielsweise das Abdecken mit Vlies, biologisch abbaubaren Folien, oder unterschiedliche Schneebearbeitungsverfahren, zu evaluieren.

Eisverhalten

alpS-Geschäftsführer Eric Veulliet: "Wir schauen, welche Prozesse zum Abschmelzen führen und wie mit entsprechenden Verfahren ein Abschmelzvorgang reduziert werden kann. Dazu werden zahlreiche Parameter erfasst, Monitoringverfahren garantieren stete Beobachtung." Es gehe um die qualitative und quantitative Erfassung der Vorgänge. Veulliet: "Wir wollen herausfinden, wie sich das Eis unter verschiedenen Bedingungen verhält oder was mit den Mikroorganismen passiert." Durch diese Untersuchungen soll verhindert werden, dass mögliche Schutzmaßnahmen das ökologische Gleichgewicht am Gletscher zusätzlich stören.

Eine natürliche "Gesundung" der alpinen Gletscher scheint den Experten derzeit unwahrscheinlich. Zur Erholung der Gletscher bräuchte es niederschlagsreiche Jahre in Serie. Veulliet: "Ein Jahr mit positiver Massenbilanz reicht noch nicht aus." (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 9. 2004)

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