Umfrage: SPÖ nur noch knapp vor ÖVP

14. September 2004, 15:09
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Kanzlerpartei holt auf - 55 Prozent attestieren ÖVP Durchsetzungs­fähigkeit - Mit Kommentar

Zu Beginn der politischen Herbstarbeit bekommt die ÖVP in einer "market"-Umfrage für den STANDARD Durchsetzungsfähigkeit attestiert - wenn jetzt Wahlen wären, läge sie etwa gleichauf mit der SPÖ. Ihr Koalitionspartner FPÖ wäre aber kein Mehrheitsbringer mehr.


Linz - "In diesem Herbst geht es ja um verschiedene politische Aufgaben - etwa um Pensionsharmonisierung, um das Budget 2005 und um die Wahlen in Vorarlberg. Welche Partei wird ihrem Gefühl nach eher mehr durchsetzen können und Erfolge in diesem Herbst haben und welche Partei wird eher wenig durchsetzen können?" Diese Frage stellte das Linzer Meinungsforschungsinstitut market in der Vorwoche 407 repräsentativ ausgewählten Österreichern.

  • Das beste Ergebnis bekommt dabei die Kanzlerpartei ÖVP: 62 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen (im Schnitt: 55 Prozent) trauen der ÖVP zu, sich durchzusetzen, nur 32 Prozent meinen, dass dies nicht der Fall wäre: Besonders deklarierte Wähler der Freiheitlichen, aber auch zwei Drittel der ÖVP-Anhänger sehen die Volkspartei auf Erfolgskurs.
  • Ganz anders die Einschätzung des kleinen Koalitionspartners: Nur 19 Prozent meinen, dass sich die FPÖ in diesem Herbst durchsetzen werde - 68 Prozent zweifeln daran. Diese Zweifel werden von den (wenigen) erklärten Anhängern der FPÖ auffallend stark geteilt.
  • Immerhin 44 Prozent erwarten für diesen Herbst politische Erfolge der Sozialdemokraten: 44 Prozent - Männer und Frauen etwa im gleichen Maß - meinen, dass sich die SPÖ zumindest teilweise durchsetzen werde, 43 Prozent verneinen das. Das Vertrauen der deklarierten SPÖ-Wähler in den Kurs ihrer Partei ist ähnlich groß wie jenes der deklarierten ÖVP-Wähler in den der ihrigen.
  • Schließlich die Grünen: Immerhin 29 Prozent erwarten für diesen Herbst politische Erfolge der Grünen - besonders hoch sind diese Erwartungen bei Facharbeitern und in der höchsten Bildungsschicht.
  • "Die Grünen werden immer mehr als die Partei und die politische Hoffnung der Aufsteiger gesehen", erläutert David Pfarrhofer von market. Es zeige sich, dass dieses Wählersegment, das im vergangenen Jahrzehnt seine Wünsche nach Veränderungen in einem hohen Maße bei der FPÖ Jörg Haider wiedergefunden hat, heute auf die Grünen als Veränderungskraft setzt.

    Dazu passt ein anderer Befund aus derselben Umfrage: Noch nie wurden die Grünen so stark als eine geschlossene politische Kraft gesehen wie jetzt. 54 Prozent der Österreicher attestieren der Partei, dass sie einig wäre - das vor 20 Jahren gültige Stereotyp, dass die Grünen total zerstritten wären, haftet ihnen nur noch bei 31 Prozent an.

    Dagegen werden die Freiheitlichen weiter als zerstritten erlebt, obwohl sie gerade in den letzten Wochen geschlossen an der Pensionsreform verhandelt haben. Dieses Imageproblem hat auch Vizekanzler Hubert Gorbach in der Radiosendung "Im Journal zu Gast" am Samstag angesprochen: Sein Regierungspartner ÖVP sei gut darin, die Erfolge anderer als eigene zu verkaufen, "da können wir noch etwas lernen".

    Würde jetzt gewählt, käme die SPÖ auf 40 Prozent, die ÖVP auf 39 - "der Abstand ist beinahe verschwunden", sagt market-Studienleiter Pfarrhofer, übrigens im Widerspruch zu OGM im profil, das die SPÖ sechs Prozentpunkte vorne sieht. Die FPÖ ist mit acht Prozent klar abgeschlagen hinter den Grünen (zwölf). (DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2004)

Von
Conrad Seidl

Kommentar

Aufbruchsstimmung
Das verabschiedete Pensionsgesetz wird als vielen wehtun - aber darauf sind die Österreicher ja schon eingestimmt
  • Das Bild der Parteien: Zerstritten?
    grafik: standard

    Das Bild der Parteien: Zerstritten?

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