"Kleine Schwester": Kunst des Augenblicks

30. Oktober 2004, 13:58
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Fernsehfilm, inszeniert von der österreichischen Regisseurin Sabine Derflinger, am Montag im ZDF zu sehen

Frau trifft Frau beim Einkaufen. Man hat einander viele Jahre nicht gesehen. Die Freude ist ungleich verteilt, aber ein Bruch wurde nie offen vollzogen. Man isst also gemeinsam zu Abend, man wird einander wiedersehen.

"Kleine Schwester", inszeniert von der österreichischen Regisseurin Sabine Derflinger ("Vollgas"), erzählt von Kathrin (Maria Simon). Diese kehrt aus Westdeutschland heim, um an der sächsisch-tschechischen Grenze ihren Dienst beim Bundesgrenzschutz zu versehen. Kathrin, die "schon immer ehrgeizig war" und die hier eigentlich nur Station macht auf dem Karriereweg nach Berlin. Bis sie Romy (Esther Zimmering) wiedertrifft, die kleine Schwester, die Tochter von Kathrins Vater und dessen zweiter Frau. Die beiden sind der Kern des Films, der die "großen" Themen, die sich aus Beruf und Umfeld ergeben, am Rand belässt - ohne ihnen auszuweichen. So ist mit Detailgenauigkeit ein komplexes Porträt entstanden.

Das Schöne ist, wie "Kleine Schwester", im Sommer auf dem Filmfest München als bester Fernsehfilm ausgezeichnet, in einzelnen Szenen für den Moment alles sagt. Allerdings ohne gleich definitiv mit einer Sache abzuschließen.

Mit wenigen Worten, Blicken oder kleinen Gesten werden hier Beziehungen und alltägliche Begegnungen zwischen Menschen ganz genau erfasst. Aber Beziehungen können sich entwickeln, genauso wie die einzelnen Figuren. Für Zögern ist hier Platz und für unüberlegte Taten. "Kleine Schwester" wird Montag um 20.15 im ZDF ausgestrahlt. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2004)

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    foto: zdf
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